Verena Friederike Hasel: Ich bin nicht mehr links

Auch dieses Thema wurde hier schon thematisiert. Ich kenne nur einen jungen Mann, der mal wirklich rechts war, und dann später politisch eher in das linke Lager wechselte. Diesen jungen Mann traf ich bei Occupy, aber ich habe seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich kann daher nicht sagen, ob er seine politischen Ansichten inzwischen wieder etwas revidiert hat. Ich habe hier aber bereits berichtet, dass ich viele Menschen kenne, die früher dem linken Lager angehörten, aber inzwischen ihre Meinung soweit geändert haben, dass sie heute von den Linken als angeblich rechte bezeichnet werden. Es ist tatsächlich so, dass vielmehr linke im Laufe des Lebens durch Lebenserfahrung ihre Meinung ändern, und ins konservative Lager, oder noch weiter nach rechts abwandern. Erneut äußert sich eine (ehemalige) linke öffentlich zu ihrem nachvollziehbaren Sinneswandel.

Mich hat gerade die Berührung mit der Wirklichkeit an meinen linken Theorien zweifeln lassen. Als ich mit Gefängnisinsassen monatelang ein Stück einstudierte, habe ich Menschen kennengelernt, die mir den Glauben an die unendlichen Möglichkeiten der Resozialisierung genommen haben. Und gerade einige unserer syrischen und afghanischen Übernachtungsgäste haben mir klargemacht, wie unglaublich schwierig ihre Integration werden dürfte. Sehr gut erinnere ich mich noch, wie erleichtert einer von ihnen reagierte, als er sich versichert hatte, dass ich keine Jüdin sei, und wie ein anderer irritiert war, dass auch mein Mann das Baby wickelt. Mitleid erregte die Tatsache, dass wir zwar drei Kinder haben, aber nur Töchter.

Der ultimative Test für meine linke Gesinnung war jedoch die Einschulung meiner ältesten Tochter. Wir hatten die Wahl zwischen mehreren Schulen. Auf der einen, nahe gelegenen, gibt es kaum Migranten. Die andere, etwas weiter weg, hat einen Migrantenanteil von rund 80 Prozent. Gelebte Vielfalt, dachte ich, heißt ja nicht nur, im türkischen Supermarkt einzukaufen, weil sich das so schön nach Urlaub anfühlt. Also ging ich zu der zweiten Schule und sprach mit der Direktorin. Als ich ihr Büro verließ, war gerade Pause. Ich stellte mich auf den Schulhof, bis die Glocke zur nächsten Stunde läutete. Ich kam wieder und schaute mir noch eine Pause an. Kaum ein Kind sprach Deutsch, die meisten Türkisch oder Arabisch. Der Ton war rau, der Umgang ruppig. Später hörte ich von Kindern mit Migrationshintergrund, die Kinder ohne Migrationshintergrund mobbten. Ich meldete meine Tochter auf der anderen Schule an. 

Sie ist sehr glücklich dort. Mir hängt die Entscheidung nach. Kann ich mich noch links nennen, obwohl ich für meine Tochter Homogenität statt Vielfalt gewählt habe? Aber würden das nicht die meisten tun? Sind Konservative da nur ehrlicher? Und Linke zu wenig aufrichtig? Die Angst, rassistisch zu wirken, verstellt, finde ich, ihren Blick: Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwer, aber manchmal machen sie es auch anderen schwer. Opfer sind Täter sind Opfer sind Täter. Nur wer diese Ambivalenz aushält, wird Lösungen finden.

Hier wurde auch schon berichtet, dass einige Gutmenschen sich selbst zwar als besonders ausländerfreundlich bezeichnen, aber doch sehr schnell aus ihrem bisherigen Umfeld wegziehen, wenn in die Nachbarschaft zu viele Zuwanderer hinziehen. Der Satz:

„Ich meldete meine Tochter auf der anderen Schule an“,

in diesem Fall an einer Schule mit deutlich weniger Migrationshintergrund, bestätigt wohl, dass die besondere Ausländerfreundlichkeit häufig nur auf dem Papier besteht.

Der Satz:

„Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwer, aber manchmal machen sie es auch anderen schwer“

bestätigt wohl, dass hier jemand von der Realität eingeholt wurde. Sicherlich würde ich nun nicht so weit gehen, und behaupten, dass diese Frau ein Nazi wäre, oder rassistisch veranlagt wäre, aber ihre bisherigen Gesinnungsgenossen haben da sicherlich weniger Skrupel. Wer solche Wahrheiten veröffentlicht, der ist für diese Leute üblicherweise ein Nazi.

https://www.zeit.de/2017/17/politische-korrektheit-links-intoleranz-afd

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