Der „Nazi“-Türke und zwei ausländische Schwarzfahrer

Heute hatte ich wieder Krankengymnastik. Danach fuhr ich nach Gelsenkirchen-Horst, weil ich mir eine besondere Weihnachtsdekoration eines Italieners ansehen wollte. Immerhin hatte SAT1, RTL, WDR, und auch DIE BILD sowie die WAZ darüber berichtet. Auch ich werde meinen „Senf“ noch, in einem anderen Beitrag, dazu geben. Nach der Besichtigung fuhr ich mit dem Bus Richtung Heimat. Ich stieg aber nicht an der Haltestelle „Schloss Horst“ ein, sondern fuhr mit meinem Elektrorollstuhl eine Haltestelle weiter, weil mir der Einstieg dort leichter in Erinnerung war. Kurz vor Erreichen der Haltestelle überholte mich der Bus, und ich war mir sicher, dass ich diesen nicht mehr mitbekommen würde, da ich doch noch zu weit von der Haltestelle entfernt war. Ich hatte Glück. An der Haltestelle stand eine Frau mit Kopftuch und Kinderwagen, und war anscheinend überfordert mit dem Kinderwagen an der zweiten Tür einzusteigen. An der Haltestelle standen auch zwei Ausländer, die dann für die Frau den Türöffner betätigten, damit diese einsteigen konnte. Durch diese Verzögerung erreichte ich dem Bus auch noch, allerdings kam ich von hinten, sodass der Busfahrer vermutlich gar nicht mitbekommen hatte, dass da auch noch ein Rollstuhlfahrer mit wollte. Die Tür war noch auf, aber die Türdrücker bereits ausgeschaltet, deshalb schlug ich an die Seitenwand des Busses, damit der Busfahrer nicht bemerkt. Der Busfahrer, vermutlich ein Türke, bekam dies auch mit, kam zu der zweiten Tür, um die Rampe aus zu klappen, allerdings waren die beiden Ausländer vor dem Bus schneller als er, und hatten die Rampe bereits aus geklappt, damit ich rein fahren konnte. Der Busfahrer teilte mir noch mit, dass er nicht mitbekommen hätte, dass ich auch mit wollte. Ich denke, das war ein Versuch von ihm sich bei mir zu entschuldigen, aber dafür gab es eigentlich gar keinen Anlass. Tatsächlich war die Situation so, dass er dies ja auch gar nicht mitbekommen konnte, mir ist es letztendlich völlig egal, ob der Busfahrer, oder ein Fahrgast, die Rampe für mich ausklappt.

Nachdem ich im Bus war, und der Fahrer wieder vorne war, stiegen noch zwei weitere Ausländer vorne ein, und kauften bei dem Fahrer ein Kurzticket, mit dem man maximal drei Haltestellen fahren darf. Ich hätte nun nicht sagen können, ob es sich bei den beiden Fahrgästen Türken handelte, oder ob das andere Nichteuropäer waren. Sie gingen durch den Bus und platzierten sich ziemlich weit hinten. Der Bus fuhr los, und drei Haltestellen später waren die beiden Ausländer noch immer im Bus. Der Busfahrer, von dem ich vermute, dass er türkische Wurzeln hatte, verließ seinen Platz, ging durch den ganzen Bus, und sprach die beiden Ausländer an. Er fragte sie, wie weit sie denn mit ihrem Ticket noch fahren wollen, wodurch sich eine Diskussion ergab. Die beiden Fahrgäste hatten offenbar eine andere Zählweise als der Rest der im Bus Anwesenden. Wie der türkische Busfahrer kam auch ich auf drei Haltestellen, wobei die beiden Fahrgäste wohl der Meinung waren, dass es höchstens 2.5 Haltestellen gewesen sein könnten. Irgendwie schien sich der Busfahrer aber mit seiner Meinung und Zählweise durchzusetzen, weshalb die beiden Ausländer sich nun bereit erklärten den Aufpreis für das normale Ticket zu bezahlen. Der Fahrer hätte dies machen können, hatte aber offenbar keinen Bock mehr auf seine Unglaubensbrüder. Natürlich ist mir nicht bekannt, welcher Religion der Busfahrer angehörte, und mir ist auch nicht bekannt, welche Religion die beiden Fahrgäste hatten. Es gibt aber schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sowohl der Fahrer, als auch die Fahrgäste Moslems waren. Allerdings gibt es auch bei dieser Religion sehr viele unterschiedliche Richtungen, und diese unterschiedliche Richtungen bezeichnen sich ganz gerne dann auch noch gegenseitig als Ungläubige. Für einen türkischen Moslem können also Moslems aus Syrien durchaus auch Ungläubige sein, so wie Christen für Moslems auch Ungläubige sind. Natürlich ist auch völlig unbekannt, ob der Busfahrer überhaupt besonders religiös veranlagt ist, oder ob im dies völlig egal ist.

Der Busfahrer war nicht bereit das gekaufte Ticket gegen ein richtiges Ticket umzutauschen, sondern teilte den beiden Ausländern mit, dass sie nun den Bus zu verlassen hätten. Dies stieß nun nicht unbedingt auf Begeisterung bei den beiden Fahrgästen, wodurch sich eine weitere freundliche Konversation ergab. Dem Fahrer war dies offenbar ziemlich egal, und am Ende setzte er seine Fahrt fort, während die beiden Ausgesetzten auf der Straße weiter gegen den Busfahrer wüteten. Die Ausgesetzten teilten den Busfahrer noch mit, was sie mit ihm gerne machen würden, und dabei fiel auch das bekannte F-Wort. Während man von draußen also ein: „ich f … dich“ hörte, antworte der Busfahrer: „und ich deine Mutter“. Vermutlich entsprach das Verhalten des Busfahrers nicht gänzlich den Anforderungen die die BOGESTRA von ihren Fahrern verlangt, aber ich denke, dass die überwiegende Mehrzahl der Fahrgäste durchaus auf der Seite des Busfahrers standen.

Ich wollte heute eine Haltestelle er aussteigen, weil ich noch was zu erledigen hatte, und an der Zielhaltestelle kam der Busfahrer auch, und klappte die Rampe aus. Nachdem ich dem Bus verlassen hatte, sagte ich zu den Busfahrer: „Sie sind aber böse“. Der Busfahrer hatte dies nicht sofort auf das Ereignis mit den ausgesetzten Fahrgästen bezogen, sondern vermutet, ich wäre persönlich mit ihm unzufrieden, weil er mich eventuell nicht völlig korrekt behandelt haben könnte. Ich teilte ihm dann mit, dass wenn das ein deutscher Busfahrer gemacht hätte, man diesen bestimmt als Nazi betitelt hätte. Jetzt wusste auch der Busfahrer, dass ich das Ereignis mit den beiden ausgesetzten Fahrgästen meinte, und er antwortete mir: „ich bin zwar Ausländer, aber dann bin ich schon lange ein Nazi“. Vermutlich hatte man ihm so etwas also auch schon vorgeworfen, wenn er korrekterweise darauf bestand, dass auch Ausländer bzw. Flüchtlinge bei ihm den vollen Fahrpreis zu bezahlen haben.

Bin mir ziemlich sicher, dass das Verhalten des Fahrers nicht ganz dem entsprach, was die BOGESTRA von ihren Mitarbeitern erwartet. Ich glaube aber auch, dass sich die beiden Schwarzfahrer von einem deutschen Busfahrer, der sich auch noch hundertprozentig daran gehalten hätte, was die BOGESTRA von ihren Fahrern erwartet, beeindrucken lassen hätten, und stehe deshalb durchaus hinter dem Fahrer. Sicherlich wird der Busfahrer nicht zum „Mitarbeiter des Monats“ gekürt werden, aber ich fand sein Verhalten besser, als wenn ein deutscher Busfahrer die beiden Schwarzfahrer kostenlos weiterbefördert hätte, um mit dem beiden ausländischen Schwarzfahrern keinen Stress zu bekommen.

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5 Antworten zu Der „Nazi“-Türke und zwei ausländische Schwarzfahrer

  1. Caesar schreibt:

    Ich glaube nicht, dass das Problem hier darin liegt, ob der Busfahrer oder die betreffenden Fahrgäste Ausländer sind oder nicht. Vielmehr ist es so – und das sind auch meine Beobachtungen in der letzten Zeit gewesen – dass so manche Busfahrer grundsätzlich Freundlichkeit und Respekt gegenüber den Fahrgästen vermissen lassen. Die scheinen wohl zu vergessen, dass die BOGESTRA eigentlich ein Dienstleistungsunternehmen ist und Kundenfreundlichkeit eigentlich an erster Stelle stehen müsste.

    Im vorliegenden Fall hätte der Fahrer den beiden Fahrgästen ein normales Ticket verkaufen müssen, denn wie du schriebst, waren sie ja wohl bereit, den Aufpreis für das normale Ticket zu bezahlen. Der persönliche Unmut des Fahrers, oder gar irgendwelche religiösen oder kulturellen Differenzen, sind da kein Argument, um so willkürlich zu handeln.

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    • beamtendumm schreibt:

      Es ist richtig, dass er dies hätte machen können, aber eine Verpflichtung dazu gibt es nicht. Im Gegenteil, er hätte auch eine Haltestelle weiterfahren können, und dann wäre das Schwarzfahren gewesen, und hätte jeweils 60 Euro gekostet. Es ist halt so, dass der Fahrer den Eindruck hatte, dass die beiden Goldstücke vorsätzlich betrügen wollten, und daher empfinde ich seine Reaktion als korrekt. Im Übrigen haben das bisher auch andere Gesprächspartner so gesehen.

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  2. Korte schreibt:

    Auch heute nach der Rückkehr aus Essen mußte ich erleben, wie ein Busfahrer mir direkt vor der Nase abfuhr, obwohl die Busfahrerin im ersten Bus dem per Funk mitgeteilt hatte, einige „Umsteiger“ im Bus sitzen zu haben. Trotzdem fuhr der Busfahrer überpünktlich weg, so das ein paar Fahrgäste eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten mußten und dann etliche hundert Meter zufuß weitergehen mußten, weil der nicht die selbe Strecke fuhr, wie der Bus den wir erreichen wollten.

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  3. toller artikel. danke für diese wahrheit die viele nicht kennen.

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