FREMDBEITRAG: Diktatorinnen an Schulen- selbst ist die Frau

Diktatur nennt man auch in einer Demokratie, wenn persönliche Meinungen staatlich bewertet und bei Missfallen sanktioniert werden.

© Justus Vogt

 

Kluge Diktatoren wissen, daß sie nicht der liebe Gott sind. Dumme Diktatoren glauben es.

© Wolfgang J. Reus

 

Diktatur: Eine Herrschaft von oben,
die den Instinkten von unten folgt.

© Anselm Vogt

 

Alle Diktatoren sind bedingungslose Selbstverehrer.

© Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger

 

Alle Diktaturen nähren sich aus der Angst der Untertanen.

© Richard Freiherr von Weizsäcker

 

 

Satire

aus dem Traum der Direktorin Frau Mann von der schulinternen Lehrerfortbildung zum Thema „Professioneller Umgang mit Konflikten im Lehrerkollegium“

 

Ansprache von Frau Mann vor der Vorstellung der Ergebnisse der eingesetzten Arbeitsgruppen: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den letzten Monaten sind mir mehrere Konflikte und Unstimmigkeiten zwischen Kolleginnen und Kollegen zu Ohren gekommen. Mir wurde von verschiedener Seite mitgeteilt, dass sich einige Kollegen negativ über andere Kollegen äußern, und das im Kollegenkreis! Ich erwarte von Beamten des Landes NRW und selbstverständlich auch von den Angestellten einen professionellen Umgang untereinander. Dies ist ganz einfach, wenn die Führungsstrukturen anerkannt und der genaue Wortlaut des Schulprogramms befolgt wird. Weisungen von der Schulleitung sind zu befolgen und nicht zu hinterfragen. Eine Fachvorsitzende, ein Fachvorsitzender, eine Sammlungsleitung oder ein Gefahrstoffbeauftragter sind von mir autorisiert, Entscheidungen bezüglich ihrer Sammlungen und der Umsetzung von Lehrplänen stellvertretend für mich zu fällen. Diesen Personen ist also eine Entscheidungsbefugnis übertragen worden, die nicht zu kritisieren und zu beanstanden und der absolut Folge zu leisten ist. Durch Mehrheitsentscheidungen gewählte Vertreter der Fächer haben die Kompetenz zugesprochen bekommen und besitzen daher auch die erforderlichen Fähigkeiten und den notwendigen Weitblick. Die heutige Fortbildung wurde erforderlich, um innerhalb des Kollegiums den pädagogischen Umgang untereinander zu festigen. Ich bitte jetzt die vorher von mir benannten Vertreter der jeweiligen Arbeitsgruppen, die Ergebnisse der Evaluation vorzustellen. Im Anschluss an diese kurze Vorstellung werden dann die auf den Tischen ausliegenden Kärtchen ausgefüllt. Auf den gelben Kärtchen können wichtige positive Aspekte der Fortbildung mit rotem Stift notiert werden, für zu verbessernden Aspekte werden die roten Kärtchen mit schwarzem Stift genutzt. Alle Kärtchen werden im Anschluss um die Sonne herum an der großen Stellwand befestigt. Je positiver das Feedback für die Konzeption der Fortbildung, desto näher sollte das Kärtchen bei der Sonne befestigt werden.

Mit der Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Musikzweig“ beginnt jetzt Frau M.!“

 

Frau M.: „Ich spreche hier stellvertretend für den Musikzweig. Wir bedanken uns für die Möglichkeit, den kollegialen Umgang in diesem Rahmen professionell erarbeiten zu können. Wir haben gemeinsam das Schulprogramm gelesen und dabei festgestellt, dass alle vier Jahre die Aufführung eines Musicals vorgesehen ist. Zur Verhinderung von Enttäuschungen bei den Schülern wird der Vier-Jahres-Rhythmus streng eingehalten. Sollte im vierten Jahr keine ausreichende Anzahl an geeigneten und willigen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, erfolgt der nächste Anlauf nach weiteren vier Jahren. Ansonsten wäre eine Planbarkeit im Rahmen der Jahresplanungen  und in Bezug auf andere ganz wichtige Projekte nicht mehr möglich. Wir haben einstimmig beschlossen, dass es keine Gespräche zur Legitimität des Schulprogramms mehr gibt, nicht untereinander, nicht mit Schülern und auch nicht mit Freunden oder der Familie.“

 

Die Direktorin Frau Mann: „Sehr gut, Frau M., so arbeitet man erfolgreich an der Professionalität und Harmonie im Kollegium. Nun zur Gruppe „Konsequente Grenzsetzung bei Beleidigungen, Verleumdungen und Nötigungen unter Kolleginnen und Kollegen“. Frau A.!“

 

Frau A.: „Wie sie, Frau Mann, auf der letzten Lehrerkonferenz bemängelt haben, geht die Bezirksregierung nicht mit ausreichender Härte gegen Lehrerinnen vor, die sich eines Dienstvergehens gegenüber der Schulleitung oder gegenüber Kolleginnen und Kollegen schuldig gemacht haben. Hierdurch ist der Schulfrieden nachhaltig gestört worden. Deswegen haben wir ein Empfehlungsschreiben ausgearbeitet zum Umgang mit unzulässiger lautstarker Kritik, der Verbreitung von angeblichen Missständen und Fehlentscheidungen von Entscheidungsträgern und der Androhung von Beschwerden durch Kolleginnen und Kollegen. Wir empfehlen den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung, die auch Zivilverfahren abdeckt, wenn verleumderische Beleidigungen oder Nötigungen erfolgt sind.  Auf diese Art kann eine unangemessene Kritik der eigenen Kompetenzen und  Entscheidungsbefugnisse durch unkollegiale Kollegen konsequent unterbunden werden, da im Anschluss an eine erfolgreiche Zivilklage die Äußerungen bei Androhung einer Geldstrafe unterlassen werden müssen. So werden unprofessionelle Reaktionen auf Entscheidungen in Zukunft verhindert. Wenn gegen eine Kollegin oder einen  Kollegen bereits eine Zivilklage läuft, genügt dann in der Regel die schriftliche Androhung einer weiteren Klage. Wir haben einstimmig beschlossen, jede E-Mail mit der Ankündigung einer zivilrechtlichen Verfolgung persönlicher Kritik direkt an die Schulleitung weiterzuleiten, damit diese einen Überblick erhält und weitere Maßnahmen gegen den unprofessionellen Störer beschließen kann. Dadurch wird das Miteinander gestärkt, denn wer eine Zukunft an dieser Schule haben möchte, muss sich zum professionellen Umgang mit Konflikten bekennen.“

 

Die Direktorin Frau Mann: „Über die Aufnahme des Empfehlungsschreibens in das Schulprogramm stimmen wir bei der nächsten Lehrerkonferenz unter Punkt 20 b ab.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Chemikalien reduzieren im Sinne der Nachhaltigkeit“ stellt Frau Z. vor, die kürzlich mit Schülern der Jahrgänge 6 und 7 am Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen hat. Korrigieren sie mich, Frau Z., ich glaube es ging um das Wundermittel Backpulver.“

 

Frau Z.: „Ja. Meine Kooperation mit Industriebetrieben zum Thema Recycling und Nachhaltigkeit  hat zwei Standbeine. Das Experimentieren im Chemieunterricht soll auf Haushaltschemikalien umgestellt werden. Hierdurch kann die Produktion von gefährlichen umweltschädigenden Gefahrstoffen reduziert werden.  Bei den Schülern soll ein Umweltbewusstsein geschaffen werden. Hierzu sind wir als Fachkonferenz übereingekommen, den Bestand an Gefahrstoffen auf das absolut notwendigste zu reduzieren. Wir bitten auf der nächsten Lehrerkonferenz über den Vorschlag abzustimmen, das Experimentieren mit  allen von mir als bedenklich eingestuften Gefahrstoffen an dieser Schule grundsätzlich zu verbieten.“

 

Frau Mann: „Ich habe den Punkt für die nächste Lehrerkonferenz aufgenommen. Frau Z. hat angeregt, dem Schulministerium vorzuschlagen, einen Preis für die umweltfreundlichste Schule in NRW auszuschreiben. Wir unterstützen dieses Vorhaben als Schulleitung. Ich bitte um Handzeichen, wer diesen Vorschalg im Namen des Kollegiums befürwortet … Gegenstimmen? Keine. Nun Herr F. zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppe „Pädagogische Begutachtung“.“

 

Herr F.: „ Die von ihnen eingeführten pädagogischen Begutachtungen von Kolleginnen und Kollegen, die Probleme mit Inklusionsschülern haben, hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Seit einiger Zeit läuft der inklusive Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen und Einschränkungen ohne jegliche Zwischenfälle ab. Obwohl die Anzahl an Unterrichtsstunden mit Doppelbesetzung in den Inklusionsklassen innerhalb der letzten zwei Jahre auf ein Drittel reduziert wurde, liegen keinerlei Beschwerden der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer vor.  Es hat sich gezeigt, dass unsere Fortbildungen zum Thema Inklusion in vollem Umfang zu einer optimalen Vorbereitung auf die Probleme der Inklusion geführt haben.  Als Koordinator für Inklusionsfragen darf ich mitteilen, dass unsere Schule für die Erfolge bei der Inklusion mit einem Minimum an Unterstützungslehrern ausgezeichnet werden soll.  Die Abstimmung per Handzeichen auf der letzten Lehrerkonferenz als Stimmungsbarometer hat unsere Ansicht als Schulleitung bestätigt, dass wir zukünftig die Kosten der Inklusion noch weiter senken können. Eine gut ausgebildete Lehrkraft kann mühelos 30 Schülerinnen und Schüler auf allen Niveaus binnendifferenziert unterrichten.  Um neue Kolleginnen und Kollegen dahingehend vorzubereiten möchten wir in der nächsten Lehrerkonferenz darüber abstimmen lassen, die schulinterne außerplanmäßige Sonderfortbildung  „Methoden der Inklusion zum Nulltarif“ verpflichtend zu machen. Kolleginnen und Kollegen, die über Probleme klagen, sollten zur Teilnahme an der halbjährlich stattfindenden Auffrischungsveranstaltung verpflichtet werden, die 8 Stunden umfasst und an einem Samstag stattfindet.“

 

Frau Mann: „Die Abstimmung erfolgt bei der nächsten Lehrerkonferenz unter Punkt 20 c. Der letzte Tagesordnungspunkt der kommenden Lehrerkonferenz ist nach Beschluss der erweiterten Schulleitung die Abstimmung über eine freiwillige verbindliche Mehrarbeit von ein bis drei Stunden im Monat, um Engpässe im Vertretungsplan ausgleichen zu können. Die Abstimmung erfolgt rückwirkend, da mit der Umsetzung des Konzepts bereits zu Beginn des Schuljahrs begonnen wurde. Wir möchten uns als Schulleitung für dieses Missverständnis entschuldigen… Ich wünsche allen noch einen erfolgreichen Abschluss der Fortbildung und einen entspannten Feierabend.“

 

feedbackkarten

 

Übernommen von

https://staatsunrecht.wordpress.com/2016/11/26/diktatorinnen-an-schulen-selbst-ist-die-frau/

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