Zurück vom Rathaus

Vor kurzem kam hier die Meldung rein, dass Flüchtlinge das Rathaus gestürmt hätten. Ich fuhr hin, um mir selbst ein Bild zu machen. Das Rathaus war geschlossen, im Rathaus gab es keine Flüchtlinge. Polizei war ebenfalls nicht (mehr) vor Ort, was für eine grundsätzlich friedliche Situation spricht. Vor dem Rathaus waren allerdings einige Flüchtlinge, meist jüngere Männer, aber auch einige Familien mit ihren Kindern. Es werden weniger als 100 gewesen sein. Einer sprach, vermutlich auf arabisch, etwas lauter, und die Kinder spielten. Nach Hungerstreik sah das jetzt nicht unbedingt aus, zumindest Getränke waren reichlich vorhanden, und das ist bei dieser Witterung auch wichtig.

Es waren auch einige, wenige Deutsche dort, die meisten von der AUF/ bzw. MLPD. Ein „refugees-welcome Beutel-Schlepper“ wollte wissen, warum ich dort filme? Blöde Frage. Das ist eine Demo, da will man Aufmerksamkeit, und darf man sich doch nicht wundern, wenn man die bekommt. Mit dem war ich schnell fertig.

Heute gab es im Hans-Sachs-Haus wohl eine Ratssitzung zu einem Flüchtlings-Thema. Während der Sitzung soll das Rathaus gut besucht gewesen sein. Mindestens 150 Flüchtlinge sollen dort gewesen sein.

Ich bin etwas unsicher welche Meinung ich zu dem Thema habe. Wir haben es hier mit Menschen, Familien, Männer, Frauen und Kinder zu tun, und nicht mit einer Sache oder Ware. Man kann die also auch nicht wie eine Sache oder Ware behandeln. Anderseits sind diese Flüchtlinge nicht die einzigen Menschen in Gelsenkirchen, NRW, Deutschland oder der Welt. Es man Forderungen geben, die aus der Sicht der Flüchtlinge nachvollziehbar sind, aber nicht alle Forderungen und Wünsche wird man erfüllen können.

In den letzten Monaten hat Gelsenkirchen, wie andere Orte auch, schon viele Flüchtlinge aufgenommen. Im Moment wird uns erzählt, dass der Flüchtlingsstrom rückläufig wäre. Verwunderlich dabei ist aber, dass man hier eher den Eindruck hat, dass die Anzahl der Flüchtlinge in Gelsenkirchen gerade in den letzten Wochen stark zugenommen hat. Gerade in unserer Siedlung sind in den letzten vier Wochen viele Flüchtlinge neu eingezogen. Die vorhandenen Kapazitäten sind überall begrenzt, auch in Gelsenkirchen. Dass die Menschen aber nicht ständig wie Vieh von einem Ort zum anderen transportiert werden wollen, kann ich auch verstehen.

Es ist durchaus berechtigt auf diese Lage hinzuweisen, aber ständig nur Forderungen, vielleicht teilweise sogar utopische Forderungen zu stellen bringt auch nichts. Wir haben also zur Zeit eine Situation, vermutlich nicht nur in Gelsenkirchen, wo ich mir kein abschließendes Urteil zu einer Seite erlauben will. Vermutlich muss man den Einzelfall sehen.

Manche Probleme mit den Flüchtlingen sind aber auch hausgemacht. Weil Behörden und Politiker so unfähig und verlogen sind, wie wir das ja kennen, erzählt man auch den Flüchtlingen gerne mal die Unwahrheit, wie wir das ja auch schon kennen. Ein Teil der Flüchtlinge kam aus Bayern, und wurde hier nach NRW und Gelsenkirchen geschickt, mit falschen Versprechungen. Wenn die Menschen dann jetzt auf die Straße gehen, um diese Versprechen einzufordern, dann würde ich dies nicht hauptsächlich den Flüchtlingen anlasten wollen, sondern hauptsächlich den verlogenen Behörden und Politiker. Deren Lügen sind dann der Grund für den Protest.

Angeblich sollen jetzt Menschen Gelsenkirchen wieder verlassen, die hier schon eine Wohnung gefunden und angemietet haben. Wenn das stimmen sollte, dann wäre das für mich ein Nogo.

Es gibt aber auch die kleinen Erfolgsgeschichten, die Hoffnung machen, und über die hier auch mal berichtet werden soll.

Ein syrischer Flüchtlingsjunge ist seit 8 Monaten in Deutschland, und hat in dieser Zeit so gut Deutsch gelernt, wie manch Türke in 20 Jahren nicht. Der Junge hat sich in diesen 8 Monaten für das Gymnasium qualifiziert, und hat das neue Schuljahr jetzt im Gymnasium begonnen. Sein Berufswunsch ist Arzt, und ich bin mir sicher, dass dieser Junge das auch schaffen wird.

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Eine Antwort zu Zurück vom Rathaus

  1. Korte Werner schreibt:

    Das mit dem Jungen, der schnell Deutsch gelernt hat, bestätigt nur die Regel von den Ausnahmen. Die Mehrheit der hier Angekommenen hat mit Sicherheit nicht im entfernsteten die Absicht, sich hier anzupassen oder integrieren zu wollen. Sie sind teilweise mit falschen Versprechungen (von Schleppern, usw.) oder in der Erwartung einen lebenslang allinclusiv Urlaub zu geniesen, hier her gekommen. Wer das anders sieht, hat sich erstens nie mit Geschichtswissen befaßt, oder ignoriert die vielen Vorfälle mit den all inclusiv Dauerurlaubern und die dadurch vielen Polizei- Einsätze z. B. in den Flüchtlingsunterkünften. Warum sollen ansonsten die „Sicherheitskräfte“ so urplötzlich so umpfangreich aufgestockt werden ? Bevor die „Kulturbereicherer“ hier ankamen, wurden dauernd „Sicherheitskräfte“ abgebaut, jetzt werden sie „aufgestockt“. Sollte da nicht ein Zusammenhang erkennbar sein ?

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