Jugendamt Stade §42

Unser Jugendamt in Stade scheint besonders begriffsstutzig zu sein. Deshalb will ich hier noch mal, extra für das Jugendamt, mit den Gesetzen ganz von vorne beginnen.

Wir haben zunächst unser Grundgesetz, und dort den Art. 6, der die Familie schützt.

Art. 6

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Laut Grundgesetz stehen also Ehe und Familie unter besonderem Schutz, und die Pflege sowie die Erziehung der Kinder ist das natürliche Recht der Eltern.

Manchmal aber ist es nötig, ein Kind aus der Familie zu nehmen, entweder weil das Kind darum bittet, oder aber wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes (Kindeswohlgefährdung) vorliegt. Eine Gefährdung des Kindeswohl kann also dazu führen, dass das natürliche Recht der Eltern übergangen wird. Zwar findet man den Begriff KINDESWOHL gar nicht im Grundgesetz, weswegen einige Politiker das Grundgesetz gerne verändern möchten. Diese Veränderung bzw. Ergänzung des Grundgesetz um das Thema Kindeswohl ist aber auch gar nicht nötig, da Kinder natürlich dieselben Menschenrechte besitzen wie Erwachsene. Dies bedeutet, dass die Kinder, auch ohne extra Erwähnung des Wortes KINDESWOHL, natürlich ein Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, Bildung, Gesundheitsfürsorge etc. haben.

Die gesetzliche Grundlage der Jugendämter bezüglich einer Inobhutnahme findet man im Sozialgesetzbuch. Die §§ 42-60 des Kinder und Jugendhilfegesetz enthalten die Regelungen für eine Inobhutnahme. In § 42 findet man:

Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen

(1) Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn
1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet …

Dies bedeutet also, dass Kinder das Jugendamt um Hilfe bitten können, wenn sie nicht mehr zu ihrem Erziehungsberechtigten zurück wollen. Der Wille des Kindes scheint damit wichtiger zu sein, als das Grundrecht der Familie. Jetzt kann man natürlich die Frage stellen, ob diese Regelung mit dem Grundgesetz überhaupt vereinbar ist. Natürlich ist diese Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar, wenn für das Kind tatsächlich eine Gefahr besteht. Allerdings verlangt § 42 des Kinder-und Jugendhilfegesetz nicht, dass das Jugendamt prüft, ob tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, wenn das Kind beim Jugendamt um Obhut bittet. Dies mag mit dem aktuellen Grundgesetz eventuell nicht vereinbar sein, aber verständlich erscheint es mir dennoch.

Den § 42 des Kinder-und Jugendhilfegesetz darf man aber nicht nur in eine Richtung betrachten. Wenn es den Kindern freisteht sich von ihren Eltern/Erziehungsberechtigten zu trennen, dann gilt das natürlich auch, wenn minderjährige Kinder gar nicht mehr bei den Eltern wohnen, zum Beispiel, weil das Jugendamt die Kinder bereits fremd untergebracht hat.

Dies bedeutet also, wenn ein Jugendamt ein Kind in eine Heim steckt, in eine Inobhutnahmestelle oder bei Pflegeeltern unterbringt, dann hat das Kind auch weiterhin das Recht diese Erziehungsberechtigte zu verlassen, so wie es dieses Recht ja auch bei den leiblichen Eltern besitzt. Dies bedeutet also, dass zum Beispiel Antonya, die gegen ihren Willen vom Jugendamt und Justiz in ein Kinderheim gebracht wurde, laut § 42 das Recht hatte jederzeit das Heim wieder zu verlassen, zum Jugendamt zu gehen, und um entsprechende Hilfe zu bitten.

Dabei ergibt sich jedoch ein Problem, das Kind, in diesem Beispiel Antonya, müsste ausgerechnet die um Hilfe bitten, die sie ins Heim gesteckt haben. Eine wirkliche Hilfe ist von dort dann aber gar nicht zu erwarten. Das beste Beispiel dafür ist der Junge Dave, der vor gut zwei Jahren aus einer Einrichtung abgehauen war, wo er gegen seinen Willen vom Jugendamt untergebracht wurde. Regelmäßig hatte der junge das Jugendamt, die Polizei und den Richter aufgesucht und genervt, weil er aus dem Heim weg wollte, zurück zu seinem geliebten Vater. Die Hilfe die man ihm laut § 42 hätte geben müssen, hatte man ihm natürlich verweigert. In seiner Not flüchtete Dave aus dem Kinderheim und suchte Schutz bei einer für ihn fremden Frau. Dazu hatte Dave das Recht. Siehe § 42.

Auch in Stade hat das Jugendamt vier Kinder einer Familie, gegen den Willen der Eltern und der Kinder, fremd untergebracht. Das älteste Kind machte Mitte Januar 2016 von seinem Recht Gebrauch nicht mehr dort leben zu wollen, wo es vom Jugendamt untergebracht wurde. Mehrere Monate war das Kind aus der Einrichtung abgängig. Inzwischen wurde das Mädchen wieder aufgefunden, und wurde vom Jugendamt wieder zu fremden Leuten gebracht, obwohl sie das nicht wollte. Das Mädchen will und wollte ausdrücklich zurück zu den Eltern.

Das Jugendamt, das laut Kinder-und Jugendhilfegesetz, dazu verpflichtet wäre, eine Rückkehr zu ermöglichen, versucht nun die Eltern und das Mädchen zu sanktionieren, nur weil das Kind nicht mehr in der Einrichtung leben wollte, und von ihrem Recht gemäß § 42 Gebrauch gemacht hatte. Zwar ging sie nicht hilfesuchend zum Jugendamt, aber das hätte in diesem Fall auch keinen Sinn gemacht, denn das Jugendamt war ja hier das Problem.

Der Versuch die Eltern und das Kind zu sanktionieren, dient natürlich in keinster Weise dem Kindeswohl, dem das Jugendamt aber doch eigentlich verpflichtet ist. Hier treibt es das Jugendamt Stade aber noch auf die Spitze. Nicht nur das Kind, das aus der Einrichtung abgehauen war, soll mit einem Besuchs- und Kontaktverbot zu den Eltern belegt werden, sondern das Jugendamt will eine Kollektivstrafe für alle Kinder verhängen. Dies ist natürlich völlig ungesetzlich, und dazu noch völliger pädagogischer Quatsch. Bei den Handlungsweisen des Jugendamtes hat man dein Eindruck, dass die nicht mehr ganz verhehlen können, dass das Amt  in der Nazi-Zeit entstand. Zumindest deren Methoden erinnern noch daran. Das Kindeswohl kommt hier wohl völlig zu kurz.

Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeiten des § 42 noch gar nicht vollständig erkannt wurden, weil der Paragraf bisher nur sehr einseitig betrachtet wurde. Ich empfehle allen Betroffenen sich dem § 42 nochmals genau durchzulesen, und aus dieser Sicht zu betrachten.

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4 Antworten zu Jugendamt Stade §42

  1. Kurt Zach schreibt:

    „Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeiten des § 42 noch gar nicht vollständig erkannt wurden, weil der Paragraf bisher nur sehr einseitig betrachtet wurde. Ich empfehle allen Betroffenen sich dem § 42 nochmals genau durchzulesen, und aus dieser Sicht zu betrachten.“

    Das mag ja sein, dass § 42 SGB VIII zu Interpretationen verleiten kann – nur ob diese Auslegungen dann auch tragend sein können, ist mehr als zweifelhaft.
    § 42 SGB VIII ist zu finden unter „andere Aufgaben“ der Jugendhilfe. Diese „anderen Aufgaben“ umfassen u.a. die rechtliche Ausgestaltung der Wahrnehmung des staatlichen Wächteramtes durch das Jugendamt, d.h. es geht also darum, Kinder und Jugendliche in Notsituationen rechtlich abgesichert sofort schützen zu können.
    Bittet ein Kind um Inobhutnahme, so hat es entweder momentan keine Obhut oder es hat sich der Obhut entzogen – in beiden Fällen liegt eine akute Notsituation für das Kind vor, die ein sofortiges Handeln notwendig macht. Allein die Notsituation berechtigt ein Jugendamt ohne zuvor eingeholte gerichtliche Entscheidung in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen.
    Das heißt aber nicht, dass da der Wille des Kindes das ausschlaggebende Kriterium dabei ist.

    Sicherlich ist es so, dass, wenn ein Kind um Inobhutnahme bittet, das Jugendamt zunächst eine Gefährdung zu Recht annimmt, die zum sofortigen Handeln verpflichtet.
    Dies ist jedoch nur kurzfristig möglich, denn das grundgesetzlich gesicherte Recht der Eltern auf Erziehung und Pflege ihrer Kinder ist bindend und wird durch die Inobhutnahme nur zeitweilig „außer Kraft gesetzt“.
    Widersprechen die Eltern der Inobhutnahme, so ist das Kind unverzüglich an die Eltern herauszugeben.
    Wenn das Jugendamt jedoch das Vorliegen einer weiteren oder fortbestehenden Gefährdung des Kindes annimmt, muss es unverzüglich das Familiengericht anrufen. Das Familiengericht wiederum hat dann zu prüfen, ob eine Gefährdung des Kindswohls vorliegt.

    Für Ihren konkreten Fall heißt das also was?
    Ein Kind lebt im Heim, weil vorher ein Familiengericht das Vorliegen einer Kindswohlgefährdung in der Familie festgestellt hat.
    Ob bei dieser Feststellung die Rechte und/oder das Empfinden aller Beteiligten entsprechend gewürdigt worden sind, wissen wir nicht. Man kann heute aber schon fast davon ausgehen, dass dies nicht der Fall war.
    Wenn dieses Kind sich nun dem Jugendamt, das in Wahrnehmung des staatlichen Wächteramtes die Fremdunterbringung des Kindes durchgesetzt hat, entzieht, indem es wegläuft, wird dieses Kind auch gegen seinen Willen wieder fremduntergebracht, denn das Jugendamt hat diese Maßnahme als erforderlich, notwendig und geeignet erachtet und hat insofern schon festgestellt, dass dies dem Kindeswohl entspricht. Und die Definitionsmacht, was Kindeswohl im speziellen Fall bedeutet, liegt einzig und allein beim Jugendamt.
    Eine Inobhutnahme weg aus dem staatlichem Schutz ist also logischerweise eigentlich nicht möglich, auch wenn ein Kind dies wünscht. Das Kind könnte nämlich wirksam nur das Jugendamt um diese Art „Schutz“ bitten – wenn andere seiner Bitte entsprechen würden, machten die sich strafbar (denn die Personensorge liegt i.d.R. beim Staat, dem Jugendamt,wenn sie den Eltern entzogen worden ist, und der bestimmt den Aufenthalt).
    Wenn sich das Kind also schon in staatlicher Obhut befindet, kann es sich nur auf sein Partizipationsrecht berufen, was allein nicht ausschlaggebend ist. Entscheidend ist allein, was das Jugendamt als kindswohldienlich ansieht. Wenn ein Kind also aus einem Heim wegläuft, wird es dann vielleicht in ein anderes Heim kommen, vielleicht auch in eine Pflegefamilie, denn ein ständig weglaufendes Kind „stört“ dieses Heim (in dem es wahrscheinlich auch Kinder gibt, die sich dort gut fühlen und die selbst dort hin wollten).
    Das Kind wird sehr wahrscheinlich eben nicht – auch wenn es das unbedingt will – zurück zu seinen Eltern kommen können, denn diese sind bereits als kindswohlschädlich definiert – mit den entsprechenden Konsequenzen. Da es heutzutage ja praktisch nach komplettem Sorgerechtsentzug auch keine Rückführungen in die Familie mehr gibt, wird das Jugendamt nicht plötzlich wieder die Erziehungsfähigkeit der Eltern des fremduntergebrachten Kindes feststellen wollen (wenn es vorher absolut die Feststellung der Erziehungsunfähigkeit betrieben hat).
    Nicht maßgeblich das Kind schreibt seinen Eltern Erziehungskompetenz ab oder zu, sondern allein das Jugendamt mittels des Familiengerichts.
    Bedenken Sie bitte auch: Es stellt an sich noch keine schwerwiegende Kindswohlgefährdung dar, wenn man den Willen eines Kindes nicht immer erfüllt. Denn auch der Wille eines Kindes kann dem Kindswohl entgegenstehen.
    Sollten Sie bei Ihren Überlegungen die Familie K. aus Lambrecht im Sinn gehabt haben, so haben Sie verkannt, dass das Jugendamt es zugelassen hat, dass die Kinder wieder in den Haushalt der Mutter zurückkehren durften. Nicht der Wille der Kinder also hat dies bestimmt, sondern zuletzt das Familiengericht, das ohne Widerspruch des Jugendamts der Mutter die Erziehungsfähigkeit wieder zuerkannte. Hätte das Jugendamt darauf beharrt, dass diese Mutter erziehungsunfähig ist, gewiss hätte d i e s e r Richter seine Entscheidung entsprechend und gegen den Kindeswillen getroffen, da können Sie sicher sein.
    Maßgeblich sind also nicht „mutige“ Kinder und Kinderschützer, wenn es darum geht, eine Situationsveränderung herbeizuführen.

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    • beamtendumm schreibt:

      Das mag ja sein, dass § 42 SGB VIII zu Interpretationen verleiten kann – nur ob diese Auslegungen dann auch tragend sein können, ist mehr als zweifelhaft.

      Manchmal braucht es halt auch etwas Zeit. Es kommt halt auch darauf an, dass diese Sichtweise dem Gericht vorgetragen wird, denn nur dann kann sich das Gericht dem anschließen.

      … d.h. es geht also darum, Kinder und Jugendliche in Notsituationen rechtlich abgesichert sofort schützen zu können.

      Nein, darum geht es nicht. Es geht nicht um eine Notsituation, das findet sich keineswegs im Gesetzestext. Von daher ist auch folgendem zu widersprechen:

      Bittet ein Kind um Inobhutnahme, so hat es entweder momentan keine Obhut oder es hat sich der Obhut entzogen

      Dies muss nicht zwingend so sein. Ein Kind kann um Obhut bitten, was sich noch nicht seiner Obhut entzogen hat.

      Allein die Notsituation berechtigt ein Jugendamt ohne zuvor eingeholte gerichtliche Entscheidung in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen.

      Der Gesetztestext lautet:

      § 42 Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen
      (1) Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn

      1.
      das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet

      Es muss sich somit nicht um eine Notsituation handeln, sondern der Wille des Kindes ist ausschlaggebend.

      Das heißt aber nicht, dass da der Wille des Kindes das ausschlaggebende Kriterium dabei ist.

      Doch das heißt es.

      Sicherlich ist es so, dass, wenn ein Kind um Inobhutnahme bittet, das Jugendamt zunächst eine Gefährdung zu Recht annimmt, die zum sofortigen Handeln verpflichtet.

      Das Jugendamt muss in so einem Fall gar nicht prüfen ob eine Gefährdung für das Kind existiert, und es muss auch nicht davon ausgehen, dass eine Gefährdung existiert. Ja selbst wenn das Jugendamt eine Gefährdung verneinen würde, müsste es die Inobhutmaßnahme durchführen, wenn das Kind das wünscht.

      Dies ist jedoch nur kurzfristig möglich, denn das grundgesetzlich gesicherte Recht der Eltern auf Erziehung und Pflege ihrer Kinder ist bindend und wird durch die Inobhutnahme nur zeitweilig „außer Kraft gesetzt“.
      Widersprechen die Eltern der Inobhutnahme, so ist das Kind unverzüglich an die Eltern herauszugeben.
      Wenn das Jugendamt jedoch das Vorliegen einer weiteren oder fortbestehenden Gefährdung des Kindes annimmt, muss es unverzüglich das Familiengericht anrufen. Das Familiengericht wiederum hat dann zu prüfen, ob eine Gefährdung des Kindswohls vorliegt.

      Dem stimme ich grundsätzlich zu. In meinem Beitrag ging es aber nicht darum. Es ging darum, dass ein Kind grundsätzlich das Recht hat vom Erziehungsberechtigten wegzulaufen, und das eben nicht zwingend die Eltern sein müssen. Logischerweise kann eine Kindeswohlgefährdung auch in einem Kinderheim passieren, oder durch Pflegepersonen. Viele Presseberichte und Heimschließungen der letzten Monate bestätigen dies.

      Für Ihren konkreten Fall heißt das also was?
      Ein Kind lebt im Heim, weil vorher ein Familiengericht das Vorliegen einer Kindswohlgefährdung in der Familie festgestellt hat.

      Das betreffende Kind wurde vom Jugendamt in einer Inobhutnahmestelle untergebracht. Weil diese über Weihnachten geschlossen wurde, hatte man das ;ädchen in einer Psychiatrie untergebracht. Sicherlich ist die weihnachtliche Schließung kein genügender Grund ein Kind in der Psychiatrie unterzubringen. Im konkreten Fall bedeutet dies also, dass das Kind das Recht hatte, sich von dort zu entfernen.

      Ob bei dieser Feststellung die Rechte und/oder das Empfinden aller Beteiligten entsprechend gewürdigt worden sind, wissen wir nicht. Man kann heute aber schon fast davon ausgehen, dass dies nicht der Fall war.

      Da ich den Fall etwas näher kenne, kann ich schon jetzt sagen, dass der Richter, wie so häufig in solchen Fällen, höchst einseitig und behördenhörig agierte.

      Wenn dieses Kind sich nun dem Jugendamt, das in Wahrnehmung des staatlichen Wächteramtes die Fremdunterbringung des Kindes durchgesetzt hat, entzieht, indem es wegläuft, wird dieses Kind auch gegen seinen Willen wieder fremduntergebracht, denn das Jugendamt hat diese Maßnahme als erforderlich, notwendig und geeignet erachtet und hat insofern schon festgestellt, dass dies dem Kindeswohl entspricht

      Letztendlich hat das nicht das Jugendamt zu entscheiden, sondern das Gericht. Und es soll schon vorgekommen sein, dass Richter eine getroffene Entscheidung wieder revidiert. Gerade wenn solche Kinder immer wieder aus solchen Einrichtungen abhauen, verliert das Jugendamt bald das Interesse an einer Fremdunterbringung, besonders wenn sich auch die Öffentlichkeit für den Fall interessiert. Die Öffentlichkeit war immerhin auch bei Antonya erfolgreich, wo die Richterin zuvor den Eltern versprochen hatte, dass diese nicht mehr aus ihren Fängen kommen würde.

      Ein ständiges Weglaufen spricht wohl dafür, dass das Jugendamt sich mit der Einschätzung bezüglich des Kindeswohl verschätzt hat.

      Und die Definitionsmacht, was Kindeswohl im speziellen Fall bedeutet, liegt einzig und allein beim Jugendamt.

      Nein, wie bereits erwähnt, liegt es letztendlich beim Gericht. Allerdings macht es sich dies häufig viel zu einfach, indem man sich blind auf fragwürdige, und viel zu häufig falsche Gutachten verlässt. Gerade die Öffentlichkeit kann hier aber ein Umdenken bewirken.

      Eine Inobhutnahme weg aus dem staatlichem Schutz ist also logischerweise eigentlich nicht möglich, auch wenn ein Kind dies wünscht. Das Kind könnte nämlich wirksam nur das Jugendamt um diese Art „Schutz“ bitten

      Genau das wurde in meinem Beitrag erwähnt. Zwar hat das Kind das Recht dazu (§42 SGB), aber es gibt keine wirklich wirksame Regel dazu. Ähnlich verhält es sich mit diesen Kindernotinseln, die viele Geschäftsleute unwissend eingerichtet haben.

      Den Begriff „staatlicher Schutz“ halte ich für mehr als zweifelhaft, wenn man weggeht von der Theorie, und sich in der Praxis umsieht. „Staatliche Willkür“ käme da durchaus auch in Betracht.

      wenn andere seiner Bitte entsprechen würden, machten die sich strafbar

      Das ist durchaus strittig.

      Wenn sich das Kind also schon in staatlicher Obhut befindet, kann es sich nur auf sein Partizipationsrecht berufen,

      Ich tendiere dazu es mit §42 zu versuchen. Immerhin sagt der dazu nichts Gegenteiliges aus. Genau deshalb wurde ja dieser Beitrag geschrieben.

      Entscheidend ist allein, was das Jugendamt als kindswohldienlich ansieht.

      Die Erfahrung zeigt was anderes. Man sollte nicht vergessen, dass es einige Kinder gibt, die von den Jugendämtern den Eltern einfach wieder vor dir Tür gestellt wurden. Beim ältesten Sohn meiner Schwester hatte man das so gemacht, und bei dieser Familie hatte das das Jugendamt auch schon mit 2 Kindern so gemacht.

      (Hier sind ihre Kinder, wir haben keine Verwendung mehr dafür.)

      Das Kind wird sehr wahrscheinlich eben nicht – auch wenn es das unbedingt will – zurück zu seinen Eltern kommen können,…

      Eben doch, zumindest wenn das Jugendamt, die Justiz und/oder die Kinderheime/Pflegepersonen in die öffentliche Kritik geraten.

      Das Kind wird sehr wahrscheinlich eben nicht – … – zurück zu seinen Eltern kommen können, denn diese sind bereits als kindswohlschädlich definiert

      Sie scheinen zu vergessen, dass es sehr viele Kinder gibt, die wieder zu den Eltern zurück konnten, besonders wenn die richtigen Anwälte an dem Fall dran waren. Wenn Eltern als kindeswohlschädlich definiert wurden, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass sie es auch sind. Das wissen sie auch, denn das entnehme ich auch aus ihrem Kommentar (weiter oben).

      Da es heutzutage ja praktisch nach komplettem Sorgerechtsentzug auch keine Rückführungen in die Familie mehr gibt, wird das Jugendamt nicht plötzlich wieder die Erziehungsfähigkeit der Eltern des fremduntergebrachten Kindes feststellen wollen (wenn es vorher absolut die Feststellung der Erziehungsunfähigkeit betrieben hat).

      Im Prinzip ist das sicherlich zutreffend, aber natürlich auch gesetzwidrig. Es ist genau die gesetzliche Aufgabe der Jugendämter dafür zu sorgen, dass die Kinder zu den Eltern zurück können, und es ist nicht deren Aufgabe die Kindeswohlindustrie mit Millionen zu füttern.

      Es stellt an sich noch keine schwerwiegende Kindswohlgefährdung dar, wenn man den Willen eines Kindes nicht immer erfüllt.

      Grundsätzlich richtig, aber ich habe da manchmal meine Zweifel, ob die moderne Kuschelpädagogik das auch so sieht.

      Sollten Sie bei Ihren Überlegungen die Familie K. aus Lambrecht im Sinn gehabt haben, so haben Sie verkannt, dass das Jugendamt es zugelassen hat, dass die Kinder wieder in den Haushalt der Mutter zurückkehren durften.

      Ich hatte nicht nur die Polizistin aus Lamprecht im Sinn. Die Frage ist doch warum das Jugendamt das plötzlich zugelassen hat? Weil das Gutachten mal wieder falsch war, und die Öffentlichkeit schon längst im Spiel war. Natürlich spielte da der Wille der beteiligten Kinder eine große Rolle. Ich stelle immer wieder fest, dass die Familien gewinnen, die sich wehren, und die Kinder das perverse Spielchen der Jugendämter nicht mehr mitmachen.

      Nicht der Wille der Kinder also hat dies bestimmt, sondern zuletzt das Familiengericht,

      Auch das Familiengericht hat das nicht ganz freiwillig gemacht, sondern musste zu seinem Glück erst gezwungen werden.

      Ohne den ältesten Sohn, der einfach abgehauen ist, und den Mädchen, die dem Jugendamt beim Abholen und verschleppen in ein anderes Kinderheim die rote Karte gezeigt haben, wären die heute noch nicht bei ihrer Mutter.

      Nicht der Wille der Kinder also hat dies bestimmt, sondern zuletzt das Familiengericht, das ohne Widerspruch des Jugendamts der Mutter die Erziehungsfähigkeit wieder zuerkannte.

      Merkwürdig, nicht?

      Hätte das Jugendamt darauf beharrt, dass diese Mutter erziehungsunfähig ist, gewiss hätte d i e s e r Richter seine Entscheidung entsprechend und gegen den Kindeswillen getroffen, da können Sie sicher sein.

      D i e s e r Richter ist mir nicht bekannt, deshalb kann ich dazu nichts sagen. Aber ihre spezielle Schreibweise lässt vermuten, dass sie den näher kennen. Letztendlich zeigt aber das Ergebnis, dass auch dieser Richter die Rückführung der Kinder nicht verhindern konnte.

      Maßgeblich sind also nicht „mutige“ Kinder und Kinderschützer, wenn es darum geht, eine Situationsveränderung herbeizuführen.

      Ich meine, das Ergebnis bei dieser Familie und bei anderen Fällen belegt, das Gegenteil. Bei Antonya hat Richterin Z. später sogar Fehler eingeräumt.

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  2. Kurt Zach schreibt:

    “ …Allerdings verlangt § 42 des Kinder-und Jugendhilfegesetz nicht, dass das Jugendamt prüft, ob tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, wenn das Kind beim Jugendamt um Obhut bittet…“

    Nein, das Jugendamt prüft nicht, sondern das Familiengericht…

    Lesen Sie dazu von Prof. Peter Christian Kunkel „Das Zusammenspiel von Jugendamt und Familiengericht nach § 42 SGB VIII „.
    Verschiedene Ihrer unrichtigen Annahmen lassen sich damit korrigieren.

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    • beamtendumm schreibt:

      Ach Herr Zach, was müssen sie denn immer meckern. Lesen sie doch mal richtig.

      (1) Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn

      1.
      das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet

      Hier prüft kein Gericht und kein Jugendamt. Das Jugendamt ist vielmehr verpflichtet zu handeln, wenn ein Kind um Obhut bittet.

      Da wird auch in ihrem Buch nichts anderes stehen.

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