AG Kaiserslautern: Wir schützen das Unrecht

Wir erinnern uns an die Polizeigewalt gegen den 12-jährigen Jungen Tobias aus Otterbach. Ein lernbehinderter Junge, der wegen dauernder Versagensangst eine Schulangst entwickelte. Jahrelang versuchte die Mutter Hilfe für ihr Kind zu erhalten, aber dies wurde ihr und dem Kind verweigert. Das Jugendamt war nur daran interessiert das Kind aus der Familie zu nehmen. Hier ein Kommentar der zu einem SWR-Beitrag abgegeben wurde.

Wie beim heutigen Gerichtstermin zu vernehmen war, ist das betroffene 12jährige Kind T. wieder zuhause bei seiner Familie und nicht mehr im Kinderheim. Der ausschließliche Grund für die unter Gewalt erfolgte Inobhutnahme war die Sicherstellung des Schulbesuches in einem Kinderheim mit angeschlossener Schule (Förderschule). Zuvor hatte die Mutter jahrelang ohne Erfolg versucht, für das Kind sonderpädagogischen Förderbedarf feststellen zu lassen, damit T. (ein Kind mit einer Behinderung(!) ) eine Förderschule besuchen kann. Das wurde dem Kind aber verwehrt… Auf der Regelschule konnte er ohne Hilfe behinderungsbedingt nicht mithalten. Daraus entwickelte er Schulangst und besuchte daraus die Schule nicht bzw. nicht regelmäßig. Das Jugendamt ließ der Mutter, die zuvor selbst alles ihr Mögliche unternommen hatte, aus diesem Grund das Sorgerecht entziehen. NUR aus diesem Grund. T. ist seit einigen Wochen wieder in seiner Familie und besucht ambulant eine Förderschule, wie es seine Mutter lange versuchte zu erreichen. Zur Zeit sind Sommerferien.

Das ist also schon der erste Skandal. Jahrelang wurde den Betroffenen die nötige Hilfe verweigert.

Der zweite Skandal folgt, als man aus diesem Grund der Mutter das Kind wegnehmen ließ. Was machen eigentlich die Richter da am Amtsgericht? Unterschreiben die dort alles blind, und völlig ungeprüft, nur weil es von einem Amt kommt? Das ist nicht die Aufgabe eines Gerichts, dafür braucht meine keine Justiz. Auch Richter dürfen ihre Birne zum Denken benutzen.

Dem Amtsgericht war der Skandal wohl noch nicht groß genug. Man musste da noch einen drauf setzen. Im Beschluss wurde ausdrücklich Polizeigewalt gegen den Jungen zugelassen. Schämen die sich nicht? Sind wir bald soweit, dass man Polizeigewalt auch noch richterlich anordnen kann? Polizeigewalt gegen einen 12-jährigen Jungen, der einfach eine Schulangst entwickelt hat, weil Behörden ihm in der Vergangenheit jegliche Hilfe verweigert hat.

Von dem Einsatz gibt es ein Video. Man sieht nicht nur, dass ein Polizist den 12-jährigen Jungen tritt, sondern hört auch, dass die Mutter, die ja anwesend war, und alles mitbekam, sich sofort empörte.

Die beteiligten Behördenmitarbeiter versuchen natürlich alles zu bagatellisieren. Angeblich wurde der Junge nicht getreten, sondern der Polizist gibt an, dass der Junge angeblich sein bein umklammert hätte. und er sich nur aus dieser Umklammerung gelöst hätte. Natürlich decken die anderen Amtspersonen diese Lüge, denn wenn man sich das Video im Zeitraffer ansieht, dann ist klar zu erkennen, dass das nicht sein kann.

Natürlich wäre es möglich das Video im Nachhinein anders zu interpretieren, und evtl. aus dem Versuch sich der Umklammerung zu entziehen, einen Fußtritt zu machen, aber das wäre nicht im Moment der Aufnahme möglich gewesen. Die Reaktion der Mutter auf die Polizeiaktion bestätigt erneut, dass er in dem Moment einen Tritt gab, und nicht den Versuch sich aus einer Umklammerung zu lösen.

Auch behauptet der Polizist in dem Video, dass der Junge angeblich versucht hätte ihn zu beißen. Der Junge hat dies sofort lautstark und mehrfach bestritten. Da der Junge aber die ganze Zeit panisch am Schreien war, war er gar nicht in der Lage jemand zu beißen. Beißen und Schreiben geht nicht gleichzeitig. Die Behauptung des Polizisten dient also nur dazu, um die Gewalt gegen den Jungen zu rechtfertigen.

Natürlich wurde Strafantrag gestellt, aber dieses Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft so schnell eingestellt, wie das sonst völlig unüblich ist.

Auch hierzu ein Beispiel. Im August 2015 gab es eine Demo in Bochum gegen den SPD-Stadtverordneten Lichtenberger. Auf dieser Demo soll ein Plakat verteilt worden sein, was aber dort gar nicht vorhanden war. Wegen dem Plakat gab es eine einstweilige Verfügung, eine Strafanzeige, und inzwischen auch ein Hauptsacheverfahren. Das Hauptsacheverfahren wurde von dem Veranstalter der Demo gewonnen. Das Landgericht Bochum stellte inzwischen klar, dass der Text auf dem Flyer/Plakat völlig harmlos ist, und keine Beleidigung/Schmähkritik ist, und die Verteilung daher zulässig ist, und es deshalb völlig unerheblich ist, ob der Flyer während der Demo verteilt wurde.

Seit dieser Demo und der Strafanzeige ist inzwischen also fast 1 Jahr vergangen, die Staatsanwaltschaft hat es aber bisher nicht geschafft, das Ermittlungsverfahren einzustellen, obwohl es gar keine Straftat gab, wie dies das LG Bochum jetzt festgestellt hat.

Erstaunlich, dass bei dem tretenden Polizist das Strafverfahren innerhalb weniger Stunden eingestellt wurde.

Die anwesenden Polizisten haben aber weitere Straftaten begangen, die der Staatsanwaltschaft bekannt sind, aber dennoch auch nicht verfolgt werden.

Die Polizeiaktion wurde gefilmt. Die Polizisten haben am Ende der Aktion das Aufnahmegerät genommen, und das Video gelöscht. Hier könnte also ganz klar eine weitere Körperverletzung begangen worden sein, denn man hat den Polizisten das Aufnahmegerät nicht freiwillig gegeben, sondern die haben es sich gewaltsam in Besitz gebracht. Auch das Löschen des Videos geschah ungesetzlich. Ich sehe darin den Straftatbestand der Nötigung als erfüllt an. Aber keiner hält es bisher für nötig die Staatsverbrechen zu verfolgen.

Ganz anders sieht das bei der Mutter des Jungen aus, und bei Angela Masch, die das Video bei youtube eingestellt hatte. Der SWR schreibt dazu:

Zwei Frauen wegen Videodrehs verurteilt

Schon bei der gewählten Überschrift beweist der Reporter völliges Unvermögen.

Es ist unrichtig, dass zwei Frauen verurteilt wurden, sondern tatsächlich wurde nur eine der angeklagten Frauen verurteilt.

Zwei Polizisten holen einen Jungen mit Gewalt aus einer Wohnung – ein Film davon taucht im Internet auf. Deshalb sind zwei Frauen am Montag vom Amtsgericht Kaiserslautern verurteilt worden.

Einige Zeilen später ist in dem Bericht zu lesen:

Das Verfahren gegen die Mutter des Jungen wurde gegen Zahlung einer Geldbuße von 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung eingestellt.

Was denn nun, verurteilt, oder eingestellt? Da sollte der Reporter nochmal in die Lehre. Eine Geldbuße ist grundsätzlich keine Verurteilung, als Gerichtsreporter sollte man so etwas eigentlich wissen, oder besser die Klappe halten.

Es wird auch bezweifelt, dass jemand wegen dem Videodreh verurteilt wurde.

Nun bekamen sie die Quittung dafür – wegen „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und des Rechts am eigenen Bild„.

Das Recht am eigenen Bild betrifft aber das Veröffentlichen der Bilder, und nicht etwa das Fotografieren. Polizisten müssen sich fotografieren lassen, wie das BVerfG 2015 geurteilt hat. Ich denke aber, dass das nicht nur das Fotografieren, sondern auch das Filmen betrifft.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2012/03/28/polizisten-muessen-sich-fotografieren-lassen/

Auch der BGH hat sich 2014 zum Thema Recht am eigenen Bild geäußert. Demnach könnten die beiden Polizisten hier wohl kein Recht am eigenen Bild beanspruchen.

Der BGH unterscheidet zwischen:

Als absolute Personen der Zeitgeschichte werden solche Personen bezeichnet, die durch ihre Stellung (z.B. die Bundeskanzlerin) oder durch ihre Taten (z.B. Albert Einstein) in das öffentliche Blickfeld geraten sind.

Das trifft auf die beiden Polizisten kaum zu, aber der BGH äußert sich auch zu relativen Personen der Zeitgeschichte.

„Unter relativen Personen der Zeitgeschichte werden Personen verstanden, die in Zusammenhang mit einem bestimmten zeitgeschichtlichen Ereignis in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten sind und die nur eine begrenzte Zeit, nämlich solange das allgemeine Interesse am Ereignis anhält, im öffentlichen Blickpunkt stehen. Das Ereignis darf kein gewöhnliches sein, sondern muss aus dem alltäglichen Geschehen herausragen.

Und das trifft hier den Nagel auf den Punkt

Urteil: BGH relativiert das Recht am eigenen Bild

Da haben wir aber noch ein Problem. Was ist Verletzung der Vertraulichkeit des (gesprochenen) Wortes?

§ 201
Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt

1. das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder
2. eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt

1. das nicht zu seiner Kenntnis bestimmte nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen mit einem Abhörgerät abhört oder
2. das nach Absatz 1 Nr. 1 aufgenommene oder nach Absatz 2 Nr. 1 abgehörte nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen im Wortlaut oder seinem wesentlichen Inhalt nach öffentlich mitteilt.

Die Tat nach Satz 1 Nr. 2 ist nur strafbar, wenn die öffentliche Mitteilung geeignet ist, berechtigte Interessen eines anderen zu beeinträchtigen. Sie ist nicht rechtswidrig, wenn die öffentliche Mitteilung zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht wird.

Das ist zunächst etwas problematisch, denn dann wären Videoaufnahmen grundsätzlich kaum noch zulässig, wenn dies nicht in der Öffentlichkeit passiert, da dort ja auch das gesprochenen Wort aufgenommen wird.

Dann gibt es da aber wieder Einschränkungen. Es ist nur strafbar, wenn berechtigte Interessen eines anderen beeinträchtigt werden. Dies Einschränkung gilt aber lt. Gesetz, nur für die Veröffentlichung, und nicht das Aufnehmen. Dies bedeutet, es kann zulässig sein etwas zu veröffentlichen, aber das Aufnehmen wäre unzulässig.

Der Gesetzestext ist also ziemlicher Schmarren.

Zu der Einschränkung gibt es dann wieder eine Einschränkung. Auch wenn die berechtigten Interessen einer Person beeinträchtigt werden, was die Veröffentlichung strafbar machen würde, kann es dennoch zulässig sein, wenn die Mitteilung zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht wird.

Das betrifft lt. Text, aber wieder nur das Veröffentlichen, und nicht das Aufnehmen. Das ist schon sehr widersprüchlich, denn ohne das Aufnehmen ist das Veröffentlichen nur selten möglich. Auch ist das ein ziemlicher Gummitext. Wann wird was zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht?

Die Frage ist auch, was ist das nichtöffentlich gesprochene Wort? Ganz offenbar handelte es sich hier ja nicht um ein 4 Augen Gespräch. Immerhin mindestens 7 Personen dürften anwesend gewesen sein.

Ich habe da meine Zweifel, dass das NICHTÖFFENTLICH gewesen sein soll, und dann wäre es ja zulässig. Die Veröffentlichung erfolgte sicherlich im öffentlichen Interesse, ob man das als ÜBERRAGEND bezeichnen kann, will ich nicht beurteilen.

Aber zumindest die relative Person der Zeitgeschichte, wie das das BGH geurteilt hat, würde ich annehmen.

Hier noch einen Beitrag zum Fotografieren von Polizisten.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/05/02/duerfen-polizisten-fotografiert-werden/

Ein Polizeieinsatz ist stets ein sogenanntes zeitgeschichtliches Ereignis. Polizisten, die daran teilnehmen, müssen es regelmäßig dulden, wenn sie im Zusammenhang mit der Abbildung des Ereignisses, erkennbar sind und diese Fotos veröffentlicht werden.

Wenn das so ist, dann könnte man auch bezüglich des gesprochenen Worts nachdenken, ob da evtl. ein (überragendes) öffentliches Interesse besteht.

Ich tendiere also eher dazu, dass es keine Straftat gab.

Das Video wurde aufgenommen, aber nicht, wie vom SWR dargestellt, von Angela M. Angela M. hat das Video ungepixelt ins Internet gestellt. Andere Fernsehsender und Presseorgane haben das Video ebenfalls veröffentlicht, aber die Polizisten verpixelt.

Ob ungepixelt oder verpixelt, die Vertraulichkeit des gesprochenen Worts wäre davon nicht betroffen. Wenn man Angela M wegen Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Worts verurteilt, dann müssten auch alle anderen Fernsehsender etc. deswegen verurteilt werden.  Wetten, das wird nicht passieren?

Angela M. wurde verurteilt.  Lt. SWR, wurde sie verurteilt, weil sie das Video aufgenommen hätte, und wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Worts. wie bereits erwähnt hat sie das Video nicht aufgenommen, sie war zu dieser Zeit etliche hundert Kilometer von dem Ort des Geschehens entfernt. Tatsächlich wurde sie wegen der Veröffentlichung des Videos verurteilt, und wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Worts. Das Amtsgericht urteilte mal wieder „Im Namen des Volkes“, dass Angela 300 Tagessätze a 30 Euro bezahlen soll. Dies deutet mal wieder auf ein politisches Urteil hin. Ich habe meinen Anwalt aus Essen zu dem hohen Strafmaß befragt, und er meinte, dass man das evtl. mit 30 Tagessätzen aburteilen könnte.

Angela war von dem Urteil nicht geschockt. Man wird nun zum Landgericht ziehen, und abwarten, was dort passiert.

Beim Urteil des Amtsgericht Kaiserslautern hat man den Eindruck, als sah man es dort als die Aufgabe an das Unrecht zu schützen. Klar, dass AG Kaiserslautern war ja auch an dem Kinderklau rund um Tobias maßgeblich beteiligt. Die Unfähigkeit des Jugendamtes galt es zu schützen, und natürlich tretende Polizisten, die auch noch gewaltsam eine Kamera entwenden, und ein Video löschen, was den Straftatbestand der Nötigung erfüllt.

Die Veröffentlichung des Videos durch Angela hatte auch ein positives Ergebnis zur Folge. Tobias, der 12-jährige Junge, der durch diese ganze Gewaltaktion sicherlich schwer traumatisiert wurde, ist seit Juli wieder bei seiner Mutter, und soll jetzt die Hilfe bekommen, die er schon lange benötigt, und die bereits vor Jahren beantragt wurde. Das hat also Angela mit der Veröffentlichung des Videos erreicht, dafür kann ihr der Junge dankbar sein.

NACHTRAG:

In Pirmasens hat ein Besucher eine gefesselte Frau im Krankenhaus (Psychiatrie) gefilmt, und das Video ins Internet gestellt. Er bekam daraufhin einen Strafbefehl. Zusammen mit einer anderen Geldstrafe soll er nun 1000 Euro bezahlen. Das dürfte also zwischen 20 und 50 Tagen a 20 bis 50 Euro liegen. Angela, nicht vorbestraft, dagegen soll 300 Tagessätze a 30 Euro bezahlen.

 

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6 Antworten zu AG Kaiserslautern: Wir schützen das Unrecht

  1. Kurt Zach schreibt:

    Die Pfälzer Rechtsfindung…
    ist zuweilen so speziell wie der Dialekt.
    Da gibt es z.B. Mütter, die von pfälzer Familiengerichten an einem Tag als „vollkommen erziehungsunfähig“ deklariert werden, um kurz darauf dann als „vollkommen erziehungsgeeignet“ umetikettiert zu werden…

    Die Pfälzer Juristen sehen sich offenbar als legitime Erben der Kämpfer für Demokratie, die einst 1832 riefen“ Hinauf, hinauf zum Schloss!“ und für Freiheit, Einheit, Presse- und Redefreiheit eintraten.
    Gemeint war damals das Hambacher Schloss zu Neustadt, heute oftmals als „die Wiege der Demokratie in Deutschland“ dargestellt, jetzt ist es nur noch Wohnumgebung des Altpräsidenten des Pfälzischen OLG Willi Kestel und Attraktion für Touristen, die in der weinfrohen Pfalz noch einen Rest Kultur suchen und dabei noch nicht von einem Mountainbike im Pfälzer Wald überfahren wurden…
    Heute jedoch meinen viele, die mit der pfälzer Juristerei zu tun bekommen, wenn vom „Schloss“ die Rede ist, das Schloss zu Zweibrücken – bekanntermaßen Sitz des Pfälzischen Oberlandesgerichts.
    Einen neuen „Schlossherrn“ dort gibt´s übrigens auch noch nicht, nachdem sich Herr Kestel Ende Mai in den Ruhestand verabschiedete, um „dann mehr Zeit mit seiner Enkelin zu verbringen.“

    Während also damals, Anno 1832, „für seine Meinungsäußerung in Pfalz niemand verurteilt werden konnte“, so darf man anlässlich des 200 jährigen Jubiläums des OLG Zweibrücken unter dem Motto „Recht – Gesetz – Freiheit“ lesen (Wanderausstellung, nächster Ausstellungsort: LG Frankenthal, 3.-30.11.2016),
    ist heute das Veröffentlichen eines Videos über einen Polizeieinsatz mit hoher Geldstrafe pönalisiert.

    Staatsanwalt Orthen ließ hierzu in seinem Interview mit dem SWR verlauten, dass
    „ohne irgendwelche Kenntnisse über den Einzelfall zu haben unkritisch und entsprechend kommentiert Videos ins Netz gestellt werden, die alle, die an dem Verfahren beteiligt sind oder dort abgebildet sind, an den Pranger stellen.“
    Es sei
    „das Wichtige an dem Verfahren, dass in diesem Verfahren klar gestellt wurde, dass das auf gar keinen Fall geht!“

    Nein – „das geht gar nicht!“.

    Dass aber durch die Veröffentlichung des Videos anderen erst die Möglichkeit gegeben wurde, sich selbst eine Meinung zu bilden, bleibt vollkommen belanglos.
    Das Rechtsgebiet Familienrecht verbannt sonst doch solche Angelegenheiten ins Dunkle, da Familiensachen „nicht öffentlich“ sind – die Öffentlichkeit hätte also sonst nie erfahren, wie weit Jugendämter in Deutschland gehen.
    Von diesen werden nämlich auch polizeiliche Zwangsmaßnahmen gegen Kinder beantragt und von Familiengerichten genehmigt – obwohl man sich sowohl im Jugendamt als auch im Familiengericht auf die Fahne geschrieben hat, keine Gewalt gegen Kinder, in welcher Form auch immer, tolerieren zu wollen.

    In das Aufgabengebiet des zitierten Staatsanwalts Orthen fallen wohl öfter Verfahren, in welchen ein eher negatives Behördenbild dringend „korrigiert“ werden muss, denn Behörden darf man nicht „an den Pranger stellen“.
    Ein Beispiel: Ein Kind wurde ohne einen entsprechenden Beschluss eines Familiengerichts gegen den Willen des Sorgeberechtigten dauerhaft in einem Heim untergebracht.
    Dieses Vorgehen ist eindeutig illegal, wird, wenn Privatpersonen betroffen sind, auch gerne mal als „Entziehung Minderjähriger“ von Staatsanwaltschaften verfolgt, so dass der Betroffene also Strafanzeige gegen Jugendamt und Heim erstatten musste.

    Mit welchem Ergebnis?
    Herr Orthen ließ das Jugendamt als Beschuldigten gleich ganz aus dem Vorgang heraus, interpretierte nur oberflächlich bezüglich des Heims – sah hier aber sogar schon von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab.
    Herr Orthen wollte offenbar partout „keine Kenntnisse über den Einzelfall“ vom Betroffenen hören und durfte sich folglich dermaßen „unkritisch“ dazu äußern:
    Es sei „kein Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten gegeben (§152 Abs. 2 StPO). Zureichende Anhaltspunkte im Sinne dieser gesetzlichen Vorschrift dürfen nur angenommen werden, wenn nach kriminalistischer Erfahrung Anzeichen vorliegen, die es als möglich erscheinen lassen, dass eine strafbare Handlung begangen wurde.“

    Wie man aus dem Gesetzestext entnehmen kann, reicht zwar schon die Möglichkeit einer Strafbarkeit aus, um ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.
    Herr Orthen hat die Voraussetzungen jedoch nicht als erfüllt angesehen.
    Warum?
    Ermittlungen gegen Behörden und „freie Träger“? – in der Pfalz geht das „auf gar keinen Fall“!

    Und was bringt dann der Gang zum Schloss, wenn man meint, man dürfe seine Meinung frei äußern, wenn man etwas Unrechtes sehe?
    Der Generalstaatsanwalt in Zweibrücken dort sieht – so empfinden das die Betroffenen- statistisch gesehen wohl das meiste so wie sein Kollege Orthen in Kaiserslautern.

    Wenn man dann immer noch meint, dagegen argumentieren zu müssen, dem sei gesagt, dass Ermittlungs- und Klageerzwingungsverfahren als Rechtsmittel sowieso unbrauchbar sind, da sie so gut wie nie zum Erfolg führen.
    Nur kosten tut´s.

    Hier wie da wird also die Wahrnehmung der Menschen von den Staatsanwaltschaften bestimmt.
    Man kann in diesem Fall einem Millionenpublikum also vorschreiben, es habe k e i n e n Tritt eines Polizeibeamten gegeben, sondern vor allem die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Polizeibeamten und anderen.
    Unter dem Aspekt der Wahrnehmung ergeben sich hier also ganz neue Dimensionen der „Meinungsfreiheit“…

    Also: In der Pfalz soll man bei Zeiten den Mund halten, sonst gibt´s „uff die Gosch“
    Rächt hott do nua de Schlossherr un sei Vasalle – un ferdisch jetz!

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  2. Korte Werner schreibt:

    Die Willkür und das Wettlügen ist bei sehr vielen Volksdienern standart, weil das fast immer von unserer korrupten Systemjustiz gedeckt wird. Wäre das nicht so, würden sich die Lügen und sittenwidrigen Machenschaften Vieler Volksdiener nicht lohnen. Allein in meinen Angelegenheiten mit Volksdienern und „Richtern“ kann ich denen zahlreiche Lüge- und Betrügereien nachweisen. So ist das eben in einem RechtS-Staat und einer Besatzer-Vasallen- Demokratie ! Am kriminellsten ist die Justiz selbst. Beweise dafür kann ich dokumentarisch belegen !

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    • reiner schreibt:

      Ja auch ich möchte dir für den sehr sehr erhellenden Artikel danken. Auch ich werde mich noch dazu in einem Artikel äußern. Ja, man wird den Eindruck einfach nicht las, das aliria in seinem Artikel / Bericht volkommen rcht hat: Mafiastaat deutschland… gedeckt von Gerichten, Staatsanwaltschaftgen und Polizei… https://ali-ria-ashley.blogspot.de/2016/03/normal-0-21-microsoftinternetexplorer4.html // da hat jemand voll ins schwarze getroffen. Ohne die arbeit der freien Schreiber sähe es, denke ich, wesentlich schlimmer aus in diesem land! In diesem Sinne vielen herzlichen Dank für deinen Bericht / Artikel. Super und daumen hoch! reiner mfg

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  3. Pingback: TOBIAS KUCHARZ! Inszenierte Gerichtsshow am 08.08.2016 in Kaiserslautern? | kinderundelternblog

  4. M.F.S. schreibt:

    Danke für Deine neuere Information über Tobias, hoffentlich kann er seine traumatische Erfahrung einigermaßen verarbeiten.

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