FREMDBEITRAG: Psychiatrierfahrung einer Psychiaterin.

Die Psychiaterin Margret Osterfeld war irgendwann selber Psychiatriepatientin. Sie schreibt:

„Auch wenn sich die institutionalisierte Psychiatrie im 21. Jahrhundert gern mit Anti-Stigma-Kampagnen und Psychoedukation schmückt,für einen Großteil psychisch und vor allem psychotisch erkrankter Menschen bleibt die psychiatrische Klinik der Ort, an dem sie zuerst und höchst eindringlich das Stigma einer psychischen Erkrankung erleben. Selbst bei freiwilligem Aufenthalt geht das Recht auf Selbstbestimmung recht rasch verloren. Nicht nur Stationsordnungen und Therapieprogramme wollen eingehalten werden, auch das »Muss« im Hinblick auf die Medikation erlaubt nur selten einen Einspruch. Erfolgt der Widerspruch dennoch, so wird er gern zur »fehlenden Krankheitseinsicht« verkehrt und als Krankheitssymptom gedeutet.Aus dieser häufigen Zirkelschlusslogik gibt es kaum ein Entrinnen und eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe wird so ganz schnell unmöglich. Auch ich habe in den neunziger Jahren in meinen ersten Berufsjahren diese mentale Formung erfahren,die zunehmend zu der Überzeugung führt,allein zum Wohle der Patienten immer wieder zu mehr oder weniger subtilem Druck greifen zu müssen.Erst eigene schockierende Erfahrungen als Psychiatriepatientin vor einigen Jahren leiteten einen schwierigen Umdenkungsprozess ein. Dabei habe ich die »totale Entmündigung« erlebt: Nichts, was ich als Patientin sagte oder tat, hatte irgendeine Bedeutung für meine Behandler, es sei denn als dokumentationswürdiges Symptom. Ich wurde genötigt, das zu tun, was sie für richtig hielten, bis hin zur erzwungenen Medikamenteneinnahme – und das,obwohl ich selbst Ärztin bin.Diese erlebte Entmündigung war für mich schwer zu überwinden und hat mich und mein Verhalten als Psychiaterin seitdem sehr geprägt. Nur manch einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken,dass ich nach dieser Erfahrung nicht den Weg der Chronifizierung ging.“

https://www.promentesana.ch/…/Selbstbefaehigung_foerdern_Kn… Seite 132f.

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Eine Antwort zu FREMDBEITRAG: Psychiatrierfahrung einer Psychiaterin.

  1. Korte Werner schreibt:

    Wie wird der US- Psychiater David Kaiser auf einem Kongress 1996 zitiert:“Ich konnte mich des unweigerlich ironischen Eindrucks nicht erwehren, daß die Psychiatrie buchstäblich den Verstand verloren hat. …“ Meine Meinung: Er einzig Verrückte in der Psychiatrie ist vermutlich der Psychiater. Der glaubt nämlich, ein Arzt zu sein !

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