Gefangen im Zug?

Manchmal ist es echt grausam mit der Bahn. Heute (10.6.) war wieder so ein grausamer Tag, denn ich wollte zwischen 19 Uhr und 19:30 Uhr mit dem Zug von Recklinghausen nach Gelsenkirchen fahren.  Das Problem ist natürlich, dass ich vorher von Gelsenkirchen nach Recklinghausen fahren muss, um die Fahrt zwischen 19 Uhr und 19:30 dort antreten zu können.

Rechtzeitig war ich in Gelsenkirchen am Bahnhof. Kurz nach 18 Uhr hätte ich in Recklinghausen sein sollen, dann hätte ich noch eine Stunde Zeit gehabt, bis ich wieder von Recklinghausen nach Gelsenkirchen gefahren wäre.

In Gelsenkirchen wollte ich die Bahnmitarbeiter vorsorglich fragen, ob denn in Recklinghausen die Fahrstühle funktionieren, aber weil das Bahnpersonal war gerade dabei neue Fahrpläne im Bahnhof aufzuhängen, war keiner zum Fragen da.

Mit dem RB42 fuhr ich dann Richtung Recklinghausen, Haltern, Münster. Im Zug habe ich die S3-Zentrale angerufen, und nach dem Zustand der Aufzüge gefragt. Mir wurde mitgeteilt, dass die zur Zeit in Recklinghausen kaputt sind.

Hallo, das war nun nicht die Antwort die ich hören wollte. Eigentlich war das eher eine Frage der rhetorischen Natur. Das alles ok ist, das wollte ich eigentlich hören.

Jetzt hatten wir ein Problem. Ich saß im Zug, und wollte nach Recklinghausen, aber wie komme ich dahin? Die 3S-Zentrale hatte den Vorschlag, dass ich eine Station weiter fahre, bis Marl, dort aussteige, und mit dem Gegenzug nach Recklinghausen fahre.

Das habe ich schon gemacht, aber seitdem die Bahn neue Fahrzeuge als RB einsetzt, ist ein Aus- und Einsteigen dort gar nicht mehr möglich, nur wenn ich mit dem RE fahre wäre das machbar.Die 3 S sah das ein, und meinte, ich soll noch eine weiter fahren, aber dann viel im ein, dass das dort auch nicht geht.

Also sollte ich mindestens 3 Station weiterfahren, bis Dülmen, da könnte ich dann in den Gegenzug umsteigen, und bis Recklinghausen zurückfahren.

Meine Frage, ob es besser ist in Wanne-Eickel in den RE zu wechseln, um dann doch schon in Marl umzusteigen, wurde verneint, also blieb ich im RB 42, um nach Dülmen zu fahren. Das war in Wirklichkeit keine gute Idee. Ich fuhr nach Recklinghausen, Marl und Haltern, aber dort endete der Zug, er fuhr nicht nach Münster, und somit auch nicht nach Dülmen, und hier in Haltern konnte ich diesen Zug auf normalen Weg nicht verlassen.

Noch sah das nicht nach einer absoluten Katastrophe aus, denn der Zug würde ja wahrscheinlich nach einigen Minuten Pause zurückfahren, und könnte mich dann in Recklinghausen raus lassen. Also rief ich die 3S-Zentrale an. Während ich mit denen telefonierte kam der Lokführer und war ganz entsetzt. Er meinte dass wir ein Problem hätten, denn hier in Haltern würde ich gar nicht rauskommen. Ich konnte ihm mitteilen, dass ich hier auch gar nicht hin will, sondern erst in Recklinghausen raus muss. Jetzt erklärte mir der Lokführer, dass er dort gar nicht mehr hinfährt, weil der Zug in Haltern abgestellt wird. Jetzt hatten wir tatsächlich ein Problem. Offenbar war mein Vorschlag, in Wanne-Eickel in den RE2 umzusteigen, bis Marl zu fahren, und dort dann mit dem nächsten RE zurück nach Recklinghausen zu fahren, doch der bessere Vorschlag gewesen.

Da ich gerade mit der 3S-Zentrale Essen telefonierte, ließ sich der Lokführer von mir das Handy geben, und telefonierte dann mit seinen Kollegen. Besonders nett war er aber nicht zu denen. Ich persönlich kann mich zwar nicht beschweren, aber das Telefonat mit seinen Kollegen hätte er durchaus freundlicher führen können.

Es gab nun 2 plus 3 Lösungsmöglichkeiten.

  1. Man klärt ab, dass der Zug von Haltern wieder nach Recklinghausen fährt, und ich dort aus dem RB aussteige, und später mit dem RE weiterfahre. Das wären 2 Haltestellen gewesen, und für mich die beste Lösung gewesen. Natürlich hätte der RB dann auch wieder nach Haltern zurückfahren müssen, weil er dort am nächsten Tag wieder gebraucht würde.
  2. Man klärt ab, dass der Zug weiter nach Dülmen fährt, und ich dort aus dem RB aussteige, und mit dem nächsten RB42 oder RE2 dann nach Recklinghausen fahre. Das wäre dann auch 2 Haltestellen gewesen, und das gewesen, was die 3S-Zentrale mir am Anfang vorgeschlagen hatte. Natürlich hätte der RB dann auch  wieder nach Haltern gemusst, weil er dort am nächsten Tag gebraucht würde.
  3. Wenn es möglich wäre mich mit dem Rollstuhl doch irgendwie in Haltern aus dem Zug zu bekommen, dann hätte es drei weitere Möglichkeiten gegeben. Man hätte mich auf dem Bahnsteig rausbringen können, und den RE dann auf diesen Bahnsteig umleiten können, damit ich dort dann mit dem RE2 nach Recklinghausen zurückfahre. Diese Überlegung gab es, aber es scheiterte bereits daran, dass der RE2 auf dieses S-Bahn-Gleis gar nicht umgeleitet werden konnte.
  4. Wenn es möglich wäre, mich mit dem Elektromobil aus dem RB42 rauszubringen, dann wäre es natürlich auch möglich die nächste RB42 auf dieses Gleis umzuleiten, und mich dann in diese wieder mit dem Elektromobil reinzubringen. Zwar konnte man den RE nicht auf das S-Bahn-Gleis umleiten, aber die RB offenbar schon, denn sonst hätten wir dort ja nicht gestanden. Allerdings hat an diese Möglichkeit in diesem Augenblick offenbar keiner gedacht. Mit der nächsten RB42 hätte ich dann planmäßig nach Recklinghausen fahren können.
  5. Alternativ hätte man durch eine Rangierfahrt die RB42 vom S-Bahn-Gleis auf das normale Zuggleis bringen können, und mich dann dort aus dem Zug lassen können, dann hätte ich mit der nächsten RB42 oder dem RE2 nach Recklinghausen fahren können. Das würde aber voraussetzen, dass es an dem normalen Gleis möglich ist, mich mit dem Elektromobil aus der RB42 rauszubekommen. Da die Gleise in Haltern für die RB42 viel zu hoch sind, ist das nicht so einfach möglich. Das Einsteigen in den RE2 wäre aber möglich. Am S-Bahn-Gleis war es möglich durch einen Trick mich dennoch rauszubringen, ob dieser Trick auch am normalen Gleis möglich gewesen wäre, kann ich nicht sagen.
  6. Man hätte mich natürlich auch an dem S-Bahn-Gleis rausbringen können, und ich hätte einfach die Aufzüge genutzt, um das andere Gleis zu erreichen, das wäre ja das Einfachste, aber dummerweise ist das in Haltern gar nicht möglich, weil es dort (noch) keine Aufzüge gibt. Dennoch hat man mich genau auf diesem Gleis dann doch rausgebracht.

Dazu war es nötig den Zug teilweise bis über das Ende des Bahnsteigs zu fahren. Der Bahnsteig hatte am Ende ein Schräge nach unten. Ein Zugbegleiter stand draussen, und sollte dem Lokführer ein Zeichen geben, wann der Ausstieg und der Bahnsteig auf gleicher Höhe waren. Leider hat er den Zug etwas zu weit fahren lassen. Der Höhenunterschied zwischen Tür und Bahnsteig war jetzt schon wieder zu groß, um gefahrlos rauszufahren. Die beiden Bahnmitarbeiter mussten deshalb das Elektromobil aus dem Zug tragen, und da ich solche Höhenunterschiede auch nicht mehr schaffe, habe ich dann das Elektromobil als Ausstiegshilfe genutzt.

Jetzt war ich zwar draußen, aber wie geht es jetzt weiter? Den Lokführer interessierte das nicht mehr, er fuhr den Zug nur noch auf das Abstellgleis. Zum Glück war ich mit der 3S-Zentrale in Verbindung, und ich hatte denen den Vorschlag gemacht, den RE2 auf das Gleis umzuleiten. Nach einigen Minuten riefen die mich zurück, und teilten mit mit, dass das eben nicht geht, weil der RE2 das Gleis nicht nutzen kann.

Wie bereits erwähnt bin ich aber der Meinung, das die Umleitung des RB42 aber funktioniert hätte. Wenn dann die RB42 auch so gehalten hätte, hätte ich reingekonnt. Aber daran wurde nicht gedacht.

Wie kam ich jetzt von Haltern wieder nach Recklinghausen? Die S-Bahn fährt nicht von Haltern über Recklinghausen, sondern eine ganz andere Strecke, deshalb blieb mir nur der Transport mit einem Behindertenfahrdienst. Die Bahn wollte sich darum kümmern, aber da ich ja gerade vor Ort war, fragte ich einige Taxifahrer wer solche Transport in Haltern macht. Ich hatte Glück, dass örtliche Taxiunternehmen führt auch Rollstuhltransporte durch. Ich habe dann der 3S-Zentrale den Namen des Unternehmens und die Telefonnummer mitgeteilt. Die Bahn hat dann dort angerufen, und anschließend einen Transportauftrag gefaxt, und so wurde ich dann für ca. 40 Euro von Haltern nach Recklinghausen gebracht. Trotz aller Schwierigkeiten kam ich dort noch passgenau an, und die 40 Euro werden die Bahn sicherlich nicht ins Minus treiben.

Am Ende stellt sich dann immer die Frage, wie man das Ganze bewertet. Als Rollstuhlfahrer lernt man eine gewisse Gelassenheit bzw. eine störrische Ruhe. Es bringt nichts sich über alles aufzuregen.

Aufzüge sind manchmal kaputt, weswegen ich die auch nicht mag. Rampen wären mir wesentlich lieber, weil die viel zuverlässiger sind. Die unterschiedlichen Bahnsteige sind auch völlig blöd. Es wäre schön, wenn sie die Bahn mal auf einen Standard festlegen könnte, und nicht ständig Fahrzeuge mit unterschiedlichen Einstiegen anschaffen würde.

Was mich am Meisten aufregt, ist es, wenn man mit unfähigen oder unfreundlichen Menschen zu tun hat. Das war hier aber nicht der Fall. Zwar bekam ich die falsche Anweisung bis nach Dülmen zu fahren, obwohl genau dieser Zug nicht mehr bis nach Münster fuhr, sonder nur noch bis Haltern, und deshalb auch nicht mehr bis Dülmen. Das ist aber ein Fehler, der mal passieren kann, denn normalerweise endet die RB42 nicht in Haltern.

Da die Mitarbeiter freundlich und hilfsbereit waren, und ich am Ende auch wieder unbeschadet zu Hause ankam, bewerte ich Hilfsaktion eher positiv als negativ.

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Eine Antwort zu Gefangen im Zug?

  1. beamtendumm schreibt:

    Hat dies auf Bahn und Bus rebloggt.

    Gefällt mir

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