Zum Tod von Niklas P.: Eine Betrachtung zu BINGEN und BONN

Als in der Nacht vom 6. auf den 7. April 2016 in Bingen eine Unterkunft angezündet wurde, wo auch einige Flüchtlinge untergebracht waren, da ging man gleich von einem rechtsradikalen Hintergrund aus.

So titelte die ALLGEMEINE ZEITUNG:

Brand in Bingen offenbar Anschlag mit rechtsradikalem Hintergrund – Soko ermittelt

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/04/07/brand-in-bingen-offenbar-anschlag-mit-rechtsradikalem-hintergrund-soko-ermittelt/

Sofort beeilten sich örtliche Politiker eine Demo gegen Rechts auf die Beine zu stellen, weil nämlich am Tatort mehrere Hakenkreuzschmierereien gefunden wurden.

Schon wenige Stunden nach dem Brandanschlag wurde ein Syrier verhaftet, der selbst in der Unterkunft lebte, und den Brand aus Unzufriedenheit gelegt hatte. Die Hakenkreuzschmierereien hatte er zur Ablenkung angebracht.

Trotz Verhaftung des Täters fand natürlich die Demo von Deutschen gegen Deutsche dennoch statt.

Im Mai gab es einen tödlichen Angriff in Bonn gegen Niklas B., der mit 17 Jahren verstarb. In der Täterbeschreibung war über zwei Gesuchte zu lesen:

Hier noch mal die Beschreibungen der drei Tatverdächtigen. Der erste: 17 bis 20 Jahre, gut 1,80 Meter groß, stämmig, brauner Hauttyp, schwarze Haare (Seite kurz, oben länger), er trug Jeans und eine schwarze Jacke, sprach akzentfrei Deutsch.

Der zweite: ebenfalls 17 bis 20 Jahre alt, gut 1,80 Meter groß, brauner Hauttyp, schmal, er trug eine weiße Jogginghose und einen weißen Pullover (Adidas oder Nike), auch er sprach akzentfrei Deutsch.

„Brauner Hauttyp“ ist zwar ein möglicher Hinweis auf einen Täter mit ausländischen Wurzeln, aber es natürlich nur ein schwacher Hinweis, da das auch auf einen Deutschen zutreffen könnte. „Sprach akzentfrei Deutsch“ würde nun wieder eher gegen einen ausländischen Täter sprechen.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/05/13/bonn-pruegel-opfer-niklas-17-nach-attacke-in-bad-godesberg-im-krankenhaus-verstorben/

Vergleicht man Bingen und Bonn, dann ist festzustellen, dass die Hinweise auf mögliche Täter ähnlich dürftig waren. In Bingen waren es die „Hakenkreuzschmierereien“ , in Bonn ist es der „dunkle Hauttyp“.

In Bingen gab es leicht Verletzte, in Bonn einen Todesfall. Eine Demo in Bonn scheint mir daher verständlicher, aber eine voreilige Festlegung auf mögliche Täter scheint mir in beiden Fällen nicht gerechtfertigt.

Erschwerend kommt in Bingen dazu, dass diese Demo gegen Rechts durchgeführt wurde, zu einem Zeitpunkt, als längst klar war, dass der Täter gar nicht aus dieser Gruppe stammte.

Man muss sich nur mal den Aufschrei vorstellen, wenn in Bonn angeblich Rechte eine Demo gegen ausländische Täter veranstaltet hätten, wenn jeder gewusst hätte, dass die Täter bei Niklas Deutsche waren.

In beiden Fällen wurden inzwischen mutmaßliche Täter gefasst. In Bonn zwar nur einer von drei. Es muss schon sehr verwundern, dass die Polizei bisher nichts über die Nationalität der Täter ausgesagt hat. In der Vergangenheit war das ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass es sich bei den Tätern nicht um Deutsche handelt. In dem Fall aus Bonn könnte es natürlich sein, dass zumindest ein oder zwei Täter ausländische Wurzeln haben.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/05/17/verdaechtiger-gefasst-mordfall-niklas-haupttaeter-20-ist-polizeibekannt/

Ich war bei der Demo in Bonn nicht dabei. Mir ist von daher nicht bekannt, was die Demonstranten dort für Flyer, Parolen oder Transparente hatten. Dass man über die Tat empört ist, und deshalb auf die Straße geht, finde ich aber mehr als nachvollziehbar, ja, sogar richtig. Ob der Anmelder der Demo eher ein Rechter oder Linker ist, ist dabei grundsätzlich ohne belang. Entscheidender ist, was dort verbreitet wurde, darüber ist mir aber nicht wirklich viel bekannt.

Schilder mit:

Erst Köln,

jetzt Niklas

halte ich durchaus für erlaubt, und nicht eindeutig rechtsradikal.

Folgendes Plakat hätte ich nun nicht unbedingt bei diesem Anlass gezeigt, aber rechtsradikal ist

Meinungsfreiheit für Systemkritiker

sicherlich nicht.

Während die Demo in Bingen eindeutig gegen Rechts gerichtet war, kann ich bei diesen Plakaten und Transparenten keine eindeutigen fremdenfeindliche Aussagen erkennen.

Es ist also mal wieder völlig unverständlich, dass 400 Menschen auf die Straße gehen, gegen Deutsche, die gegen den sinnlosen Totschlag eines 17-Jährigen protestieren.

Heute Nachmittag soll es eine Pressekonferenz geben. Man wird dann hoffentlich mehr über die Täter erfahren.

NACHTRAG:
Nach der Pressekonferenz kann man schon mal eines feststellen. Anders als in Bingen, hat sich in Bonn der Verdacht anscheinend bewahrheitet. Bei dem verhafteten Verdächtigten handelt es sich tatsächlich um eine Person, die einen Migrationshintergrund hat.

Walid S., der angebliche Haupttäter wurde in Italien geboren, und hat marokkanische Wurzeln.

Der Verdächtigte bestreitet jedoch bisher die Tat. Lt. Polizei hat er sich bei seiner Vernehmung angeblich in Widersprüche verstrickt. Ein Zeuge hat ihn zudem als Haupttäter identifiziert.

Die Polizei hatte zwei weitere Verdächtigte verhaftet, musste diese aber wieder gehen lassen. Damit ist über die Nationalität weiterer Täter noch nichts bekannt. Im Moment scheint es mir für entsprechende Spekulationen zu früh zu sein.

Der Tod des 17-Jährigen hat in Bonn für tiefes Entsetzen gesorgt, und es herrscht eine entsprechende Stimmung, was vermutlich auch dadurch gekennzeichnet ist, dass Bonn nun wirklich nicht weit von Köln entfernt ist, und die Vorfälle dort in der Silvesternacht auch noch lange nicht vergessen wurden.

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4 Antworten zu Zum Tod von Niklas P.: Eine Betrachtung zu BINGEN und BONN

  1. M.F.S. schreibt:

    „Im Fall Niklas P. bestreitet der Hauptverdächtige weiterhin, für den Tod des 17-Jährigen verantwortlich zu sein. Das sagte Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Donnerstag. Ein Richter hatte den 20-Jährigen am Mittwoch in Untersuchungshaft geschickt. Nach Darstellung der Ermittler war er von einem Zeugen wiedererkannt worden. Der Haftbefehl wurde wegen Totschlags erlassen.“
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Polizei-ist-sich-sicher-Haben-den-richtigen-T%C3%A4ter-gefasst-article3258926.html

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  2. Pingback: Verdächtiger gefasst: Mordfall Niklas: Haupttäter (20) ist polizeibekannt | Link Verzeichnis

  3. Korte Werner schreibt:

    Weil die „bösen Rechten“ jetzt bei den letzten Landtagswahlen den Etablierten Besatzer-Vasallen ein paar einträgliche Posten und/oder Dienstwagen weggenommen haben, muß der – Kampf gegen RECHTS – mit Millionen Euro mehr in NRW aufgestockt werden, damit die Wähler in NRW nicht auch die AFD wählen und den Etablierten auch hier die einträglichen Posten und Dienstwagen streitig machen. Da ist denen jedes Mittel recht ! Da die „Antifanten“ und „Gutmenschen“ sich da gern als „nützliche (bezahlte) Idioten“ anbieten, finden sie auch gemeinsam einen Grund für den – Kampf gegen RECHTS -, notfalls wird er zusammengelogen ! Darum ist für die Opfer des Terrors kein Bedauern oder Wiedergutmachung möglich.
    So ist das halt in einer Demokratie, wo die Meinungsfreiheit dort bekämpft und abgestraft wird, wo sie der Wahrheit zu nahe kommt !

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  4. M.F.S. schreibt:

    Vorauseilende oder falsche falsche Annahmen mit entsprechender Meinungsbildung finden sich sowohl in Richtung Rechtsextremismus als auch in Richtung Flüchtlinge, bei beidem könnte manchmal mehr Zurückhaltung gefragt sein… https://www.mimikama.at/allgemein/zeigt-diese-berwachungskamera-den-tdlichen-angriff-auf-niklas-p/

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