FREMDBEITRAG: (K)ein Einzelfall – ja leider.

Es könnte z.B. gleich eine ganze Artikelserie entstehen über den Friesenhof-Skandal in Schleswig-Holstein.

Die junge Frau berichtet im Ausschuss über konfiszierte Briefe, Sport als Strafmaßnahme und Isolation in dem ehemaligen Mädchenheim.

Kiel. Strafsport, Isolation und zensierte Briefe – erstmals haben zwei ehemalige Bewohnerinnen der inzwischen geschlossenen „Friesenhof“-Mädchenheime vor dem Untersuchungsausschuss des Kieler Landtags (PUA) ausgesagt. An der Tagesordnung seien auch Kollektivstrafen gewesen, wenn zu Beispiel eine Bewohnerin geflohen sei. Das habe sich auch auf den Speiseplan erstreckt, sagte eine der Frauen am Montag im Ausschuss.

Die „Friesenhof“-Mädchenheime waren im vergangenen Jahr geschlossen worden. Den Einrichtungen wurden Mangel an pädagogischem Fachpersonal und menschenentwürdigende Methoden im Umgang mit Mädchen vorgeworfen.

Eine Strafe ist den Zeuginnen besonders in Erinnerung geblieben: „Das Schlimmste waren zwei Wochen Grünkohl, ungewürzt“, sagte eine 22-Jährige, die von November 2009 rund acht Monate unter anderem im Camp „Nanna“ war. Den Kohl gab es demnach pur, ohne Kartoffeln oder Fleisch, nur die letzten zwei Tage habe es etwas Ketchup dazu gegeben, sagte die Zeugin auf Nachfrage.

Dies sei eine Kollektivstrafe für alle gewesen, wenn beispielsweise eine der Jugendlichen abgehauen war. Das bestätigte eine 21-Jährige, die seit ihrem 13. Lebensjahr für mehr als drei Jahre im „Friesenhof“ lebte. „Wenn ich abgehauen bin, dann gab es Grünkohl für die ganze Gruppe.“

Aus urheberrechtlichen Gründen kann der ursprüngliche Beitrag hier nicht komplett veröffentlicht werden. Unter folgendem Link können sie weiterlesen.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/04/18/ex-bewohnerin-spricht-ueber-zustaende-im-friesenhof/

Eine andere Mutter, die wie Familie K., Tobias‘ Familie, in Kaiserslautern lebt, schildert eindrücklich die Erfahrungen ihres erst 8jährigen Sohnes Tim in einer Wohngruppe einer Jugendhilfeeinrichtung – hier ihr Blog:

http://weltausbausteinen.de/3-lieber-ein-ende-mit-schrecken-als-ein-schrecken-ohne-ende/

Der achtjährige Tim, Asperger-Autist, geht seit einem Jahr nicht mehr in die Schule.
Der letzte Schulversuch endete mit einer durch Tim zertretenen Glastür im Schulgebäude – trotz Integrationshelfer.

Das Leben in der Wohngruppe des Kinderheimes beschreibt die Mama so:
(…)
Pädagogischer Ansatz

Der letzte Bericht zeigt eigentlich schon ganz deutlich den pädagogischen Ansatz der Einrichtung. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Bestrafen, nicht dem Loben und schon gar nicht dem Fördern!

Tims Vorberichte waren denen total unwichtig. Haben sie doch selber zig Jahre Erfahrung mit ‚solchen‘ Kindern. So viel Erfahrung gar, dass mir der Leiter der Wohngruppe nach einer Woche am Telefon berichtete, dass er Tims Autismus Diagnose stark infrage stellen würde. Denn Tim sei ja an Kontakt mit anderen Kindern interessiert. Und sein Verhalten sei reine Provokation und volle Kalkül.

Ja, mit der Einstellung kann man ja den Kindern dort nur gerecht werden, nicht wahr?! Aber da man Vorberichte ja eh nicht wirklich las, und schon gar nicht aufgrund dessen irgendetwas anpassen würde, waren Diagnosen eh völlig überflüssig.
Der Förderplan

Ja, den Namen habe ich tatsächlich für diesen Plan gehört! FÖRDERplan. Was für ein Witz. Er wird auch Phasenplan genannt. Generell habe ich eigentlich gar nicht unbedingt etwas gegen Phasenpläne. In der Klinik hat der für Tim sogar sehr gut funktioniert. Aber auch nur, weil der ja komplett an ihn angepasst worden war. Sowohl von den Zeitabschnitten, wie häufig man mit ihm reflektiert, wie viele Punkte er braucht für die nächste Stufe, aber eben auch, was Tim sich mit der nächsten Stufe ‚verdienen‘ kann, also welche Freiheiten oder Vorteile er damit bekommt.

In seiner Wohngruppe hatten jedes Kind denselben Förderplan, dieselben Phasen und dieselben ‚Vergünstigungen‘. Das macht für mich überhaupt keinen Sinn, denn 1. sind die Kinder in der Wohngruppe total altersgemischt und sind eben auch sonst von ihren Möglichkeiten komplett verschieden.

Für Tim ergab sich daraus, dass er die meiste Zeit der 8 Wochen auf Phase 0 hockte!!! Ab 3 Punkten kam man auf Phase 1 (in der man dann Freiheiten hat wie 3DS spielen, Musikmedien nutzen, draußen spielen mit anderen, Süßigkeiten essen, sich auf dem eigenen Zimmer oder auf dem anderer verabreden). Tim hat es aber in den 8 Wochen vielleicht 2 Mal auf Stufe 1 geschafft, was letztlich bedeutet, dass er den Rest der Zeit quasi jeden Nachmittag Zimmerarrest hatte.

Ab Phase 2 hätte Tim dann auch mit den anderen fernsehen dürfen oder sich draußen mit Kindern etwas weiter von der Wohngruppe entfernen dürfen. In Phase 3 hätte Tim auf dem gesamten Gelände (und das ist riesig!) 30 Minuten Ausgang gehabt, hätte länger Nintendo spielen dürfen, und beim Stadtgang sich eine halbe Stunde abmelden dürfen.

Ab Phase 4 dürfen sich Kinder dann – durch Abgabe von verdienten Punkten – einen Film gucken erkaufen, oder – durch höhere Abgabe von Punkten- sich eine Aktivität mit einem Erzieher erkaufen. Oder aber stattdessen Handyzeit kaufen. Als Vergleich – Sonderaktion mit Erzieher kostet 50 Punkte. 30 Minuten zusätzliche Handyzeit kosten 5 Punkte…hmmm

In der höchsten Phase, Phase 5, können sich Kinder für 150 Punkte (!!!) ein zusätzliches Wochenende Zuhause erkaufen. Oder aber für 5 Punkte 30 Minuten am Computer, oder 1 Stunde Abmelden beim Stadtgang.

Diesen Phasenplan habe ich mehrfach angesprochen. Ich bat darum, dass man ihn doch an Tims Möglichkeiten anpassen möge. Denn 1. war ja offensichtlich, dass es für Tim nicht möglich ist, genug Punkte zu sammeln um es auch nur auf Stufe 1 zu schaffen (wie frustrierend???), und 2. sind die ‚Vergünstigen‘ absolut nicht für Tim geeignet. Auch wenn Tim auf Stufe 2 wäre, hätte ich es nicht für sinnvoll gehalten, ihn ohne Aufsicht mit anderen Kindern 30 Minuten lang außer Sichtweite der Wohngruppe zu lassen, oder gar auf dem gesamten Gelände oder in der Stadt!

Und was uns bei Sichtung des Phasenplanes auch wie Schleier von den Augen fiel war: Tim würde dort sich NIEMALS ein zusätzliches Besuchswochenende verdienen können. Denn er würde es ja niemals auf die allerhöchste Stufe schaffen, und hätte erst recht nicht dann noch 150 Punkte über – die er ja als Tausch abgeben müsste. (…)

Es ist dasselbe Jugendamt wie in Tobias‘ Fall, das Stadtjugendamt in Kaiserslautern.


HINWEIS: Dieser Beitrag erschien zunächst als Kommentar zu

https://beamtendumm.wordpress.com/2016/05/02/k-ein-dramatischer-einzelfall/

 

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Eine Antwort zu FREMDBEITRAG: (K)ein Einzelfall – ja leider.

  1. Kaiserslautern schreibt:

    Hallo Herr Schreiber, Sie können den obigen Beitrag sogleich umfangreich ergänzen um weitere Heime, die im nachstehenden Link , auch mit NDR-Filmbeitrag , benannt werden.
    https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Neue-Vorwuerfe-gegen-Jugendhilfe-Einrichtungen,friesenhof192.html

    Gefällt mir

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