Die Presse zu Tobias (12) aus Otterbach

Es gibt ja inzwischen einige Berichte im Mainstream über den brutalen Polizeieinsatz in Otterbach (Kaiserslautern) gegen den 12-jährigen Tobias. Grundsätzlich ist das gut, aber leider kann man weder BILD noch SAT1 oder RTL bescheinigen, dass sie gute Arbeit gemacht hätten.

BILD

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/04/26/tritt-ein-polizist-hier-einen-zwoelfjaehrigen/

Die BILD schreibt

… Als die Polizei kommt wird es ruppig: Die beiden Beamten schubsen eine der Frauen aus dem Raum, verweisen sie des Hauses. …

Grundsätzlich hat die Polizei das Recht auch eine Person aus einem Privathaus zu verweisen, wenn diese die Amtshandlung stören. Das war hier aber ganz offensichtlich nicht der Fall, man wollte offenbar weniger Zeugen haben. Der Platzverweis war somit illegal. Darauf geht BILD aber nicht ein.

… Dazwischen hört man immer wieder das Gebrüll des Jungen: „Ah, meine Hand, du Penner“, ruft er einem der Polizisten zu. „Hör auf mich zu beißen“, entgegnet dieser ihm, „lass mein Bein los“. …

Hier verschweigt BILD, dass der Junge der Behauptung sofort widerspricht, bzw. es zumindest versucht. Der Polizist droht dem Jungen wiederholt, und lässt ihn nicht wirklich zu Wort kommen.

… Laut Pressemeldung der Polizei habe es sich bei dem Einsatz um eine „Unterbringungsangelegenheit im Rahmen der Amts- und Vollzugshilfe“ gehandelt, die Polizei den Einsatz des Jugendamtes unterstützt. …

Über die Hintergründe erfährt man leider nichts. Da hat die BILD die Hausaufgaben nicht wirklich gemacht. Schade, setzen, 6.

SAT1

SAT1-Frühstücksfernsehen

https://beamtendumm.wordpress.com/2016/04/27/sat1-fruehstuecksfernsehen-brutale-polizeigewalt-gegen-kind/

Der SAT1-Beitrag beginnt gut, aber man hätte nicht unbedingt eine Polizistin dazu befragen sollen. Es ist schon sehr merkwürdig, die Empörung in der Bevölkerung über diesen Polizeieinsatz ist groß, aber man versucht uns einzureden, als sei das alles ganz normal.

Die Redakteurin behauptet am Ende, dass die Inobhutnahme notwendig gewesen wäre, wegen massiver Verwahrlosung. In welchem Film war die denn? Darum ging es bei Tobias niemals.

SWR

https://beamtendumm.wordpress.com/2016/04/26/auch-der-swr-berichtet-ueber-tobias-kucharz/

Beim SWR-Beitrag hatte ich das Gefühl, als ob man sich nicht getraut hätte die entscheidenden Fragen zu stellen. Überhaupt wurde die Vorgeschichte gar nicht wirklich thematisiert.

Es gab ein Interview mit dem Landeschef der Polizeigewerkschaft Rheinland-Pfalz. Der wusste natürlich auch gar nichts über die konkrete Vorgeschichte, ging aber natürlich davon aus, dass das vorher alles korrekt verlaufen wäre, anders wäre sein Kommentar nicht zu verstehen.

… Man muss ja mal sehen, was einem solchen Verfahren alles vorher geht. Das ist ja jetzt keine Sache die von der Polizei entschieden worden wäre, sondern eine Sache des Jugendamtes, die am Ende halt eine Entscheidung eines Gerichts herbeigeführt haben. Und da gibt es halt Gründe dafür, weil man halt eben mit pädagogischen, sozialen, therapeutischen, sonstigen Mitteln nicht mehr weiter kam, und am Ende dann die Polizei zu Hilfe ruft, um eine Entscheidung eines Gerichts durchzusetzen, so unangenehm das für alle Beteiligten ist.

Man darf schon sagen, wenn man die Hintergründe kennt, dass der Landeschef der Polizeigewerkschaft hier groben Unfug erzählt. Er hat nämlich zu dem Zeitpunkt offenbar gar keine nötigen Hintergrundinformationen. Er setzt mal eben voraus, dass ihm Vorfeld alles korrekt gelaufen wäre, und natürlich die Behörden keine Fehler machen. Bullshit so was.

Die angeblichen pädagogischen, sozialen, therapeutischen, sonstigen Mitteln gab es nämlich nie. Die wären zwar nötig gewesen, wurden sogar von der Mutter ausdrücklich gefordert, aber vom Jugendamt wurde alles abgelehnt. Das Ziel des Jugendamtes war die Herausnahme des Kindes aus der Familie. Das Jugendamt ist tatsächlich für die Traumatisierung dieses Kindes verantwortlich.

Übrigens ist auch anzumerken, dass es von den Polizisten eben keine Deeskalation gab, wie die Moderatorin korrekt anmerkt, aber dann zieht sich der Landesgewerkschaftschef schnell zurück.

Bekanntlich hatten die Polizisten die Videos noch gelöscht, haben sie dabei aber zum Glück dilettantisch angestellt. Hatten sie das Recht das Beweismittel zu löschen? Natürlich nicht, aber das hat bisher noch niemand interessiert, das wurde bisher nicht thematisiert.

RTL

RTL-EXPLOSIV

Bei RTL-EXPLOSIV hat man für den Jungen Worte wie Schulschwänzer gebraucht. Der Junge war kein klassischer Schulschwänzer. Es ist ein Kind mit Lernschwierigkeiten, die bereits im 1. Schuljahr auftraten. RTL berichtet sogar, dass man mit der Mutter gesprochen hat, und verspricht dann, etwas großspurig, die ganze Geschichte.

Traurig was der Sender dann daraus gemacht hat.

Auch RTL behauptet, dass der Junge, man nennt ihn dort Markus, offenbar versucht habe den angreifenden Polizisten zu beißen. Verschwiegen wird, dass der Junge mehrfach, zumindest versucht, dies zu bestreiten.

RTL lässt den ehemaligen Streetworker Thomas Sonnenburg zu Wort kommen, der sich wundert.

Was mich tatsächlich wundert, ist die permanente Intensität, mit der der Vorgang ausgeübt wird. Also Deeskalierend würde ich einwirken, als Fachmann, und da ist ein Fachmann dabei, und auch als Polizist, dass man diesen Jungen erst einmal beruhigt. Weil der Junge ist ein Kind.

Dann meint RTL, dass Tobias ein Junge wäre, der dringend aus der Familie geholt werden muss. Woher haben die die Erkenntnis?

Diese Erkenntnis gibt es nicht. Trotz aller Erfahrungen die auch RTL mit Behörden und dem Jugendamt schon gemacht haben, gibt es hier immer noch eine tiefe Regimegläubigkeit. Es wird einfach unterstellt, dass es da einen berechtigten Grund geben muss, den es aber in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Vielmehr ist mal wieder Behördenunfähigkeit und Behördenwillkür der tatsächliche Grund für den Kinderklau.

Natürlich hat RTL vom Jugendamt keine Auskunft erhalten. Wie gut dass es den Datenschutz gibt, denn der wird gerne als Grund angeführt, wenn Unfähigkeit und Willkür vertuscht werden sollen. Auch das sollte RTL durchaus bekannt sein.

Völlig falsch ist die anschließende Behauptung, dass die Familie nicht auf sich alleine gestellt war, und schon lange vom Jugendamt betreut und unterstützt wurde. Richtig ist dagegen, dass die Familie wegen den Lernschwierigkeiten ihres Kinds beim Jugendamt eine Förderung beantragt hatte, dies aber regelmäßig verweigert wurde.

Auch der ehemalige Streetworker ist natürlich Teil des Systems, und entsprechend gläubig. Seine anschließende Aussage spiegelt vielleicht den Idealfall wieder, nicht aber die Wirklichkeit.

Die Herausnahme eines Kindes hat, und muss, immer einen wesentlichen, und ganz entscheidenden Grund haben.

Das ist leider nur  Theorie. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Bei sinkenden Geburtenraten hat sich die Anzahl der Inobhutnahmen innerhalb von 10 Jahren annähernd verdoppelt.

Diese Steigerungsraten sind wahrscheinlich nur möglich, weil viele so blauäugig sind, wie der ehemalige Streetworker. Er neigt ganz offensichtlich dazu, dass die Behörden schon alles richtig machen.

Wenn eine Richterin über so einen Fall zu entscheiden hat, und genauso blauäugig denkt und handelt, dann kann es ja nicht mehr verwundern, dass die Anzahl der Inobhutnahmen sich in 10 Jahren verdoppelt.

Und dass das für einige ein ausgesprochenes lukratives Geschäft ist, sollte spätestens seit

MIT KINDERN KASSE MACHEN

vom WDR bekannt sein.

Dass die Polizei das Video gelöscht hatte, um Beweise zu vernichten, auch darauf ist man hier nicht eingegangen.

RTL-Nachtjournal

https://beamtendumm.wordpress.com/2016/04/27/nachtmagazin-berichtet-ueber-tobias-kucharz/

Beim RTL-Nachtjournal wurde Tobias dann wenigstens nicht mehr als Schulschwänzer bezeichnet. Zunächst teilt die Moderatorin richtig mit, dass sich die Inobhutnahmen/Kinderklau durch Behörden innerhalb von 10 Jahren verdoppelt haben. Und das trotz sinkender Geburtenrate. Ein lohnendes Geschäft also für einige Leute.

Hier wurde dann auch mitgeteilt, dass der Junge „an verschiedenen Störungen leidet“. Er ist somit also kein klassischer Schulschwänzer.

Natürlich leistet der Junge, mit seinen kindlichen Möglichkeiten, massiven Widerstand gegen die Zwangsmaßnahme. Immerhin ist das ein Mensch, und keine Sache, und man hat ihn auch nicht wie eine Sache zu behandeln. Dass Kinder im Normalfall bei ihren Eltern bleiben wollen, ist doch wohl mehr als normal. Und eine Krankheit ist kein Verbrechen, die eine unfähige Behörde berechtigt so mit einem Kind umzugehen. Und das dann noch unter dem Deckmantel des Kindeswohl. TRAUMATISIERUNG IST KEIN KINDESWOHL.

Die Mutter erklärt im Beitrag, dass der Junge wegen Schulangst aus der Familie genommen wurde. Die Schulangst ist bei dem Jungen bereits ärztlich festgestellt worden. Und es ist natürlich völlig dämlich ein Kind, dass bereits unter Angstsymptomen leidet, die regelmäßig, zu Bauchschmerzen, Erbrechen und Kopfschmerzen geführt haben, durch so ein Trauma weiter zu belasten.

Wie Frau Kucharz richtigerweise mitteilt, ist das kein Grund, dass man so mit einem Kind umgeht.

Die Unterstellung von RTL,

für so einen radikalen Schritt durch das Jugendamt muss es immer einen triftigen Grund geben,

ist natürlich falsch. Richtig ist viel mehr, dass es für so einen radikalen Schritt durch das Jugendamt immer triftigen Grundgeben müsste. Tatsächlich ist das aber immer öfters eben nicht der Fall. Tatsächlich gab es bei Tobias keinen berechtigten Grund. Hier hat das Jugendamt und Justiz, und zuletzt natürlich auch die Polizei, völlig falsch und überzogen gehandelt.

Man hat dann wieder Experten mit seiner Aussage vom Nachmittag eingeblendet. Die neuen Erkenntnisse lagen Thomas Sonnenburg also nicht vor.

Der ehemalige Streetworker wird wieder zitiert mit seiner Aussage, zur Inobhutnahme

das passiert nicht einfach nur so, und zum Spaß, sondern das hat einen Sinn.

Den Sinn erklärt er uns natürlich nicht, kann er auch nicht, weil ihm zu dieser Zeit die dazugehörige Geschichte und die Akten, gar nicht bekannt sind. Er führt weiter aus:

Deshalb gibt es hier ganz sicher eine Karriere mit dem Jugendamt, eine Historie mit dem Jugendamt, und dann gibt es den richterlichen Beschluss, und dann wird vollstreckt.

Und wie sieht das alles aus?

Der Junge muss bereits das erste Schuljahr wiederholen. Im Zeugnis erwähnt die Lehrerin, dass der Junge gar nicht weiß, wozu er in der Schule ist. Er ist völlig überfordert, er ist lernbehindert. Der Junge bräuchte Hilfe. Die Mutter wendet sich an das Jugendamt. Aber die nötige Hilfe wird mehrfach verweigert. Der Junge ist heute 12 Jahre, und noch immer in der 3. Klasse. Der Junge lebt mit ständiger Versagensangst, natürlich entwickelt sich daraus eine Schulangst. Dies zeigt sich regelmäßig durch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Der Junge und die Mutter hätten tatsächlich Hilfe vom Jugendamt gebraucht, deswegen hatte sich die Mutter hilfesuchend an das Amt gewandt, dort hatte man aber die Hilfe mehrfach verweigert. Wiedermal war man nur bestrebt das Kind aus der Familie zu holen.

Prof. Reinhard Wiesner erklärt dann auch, dass Jugendämter auch überreagieren und zu Inobhut greifen, wo dies nicht nötig ist.

RTL behauptet dann noch, dass bisher keiner sagen will, was im Fall Tobias, RTL nennt ihn Markus, bisher passiert wäre. Das stimmt so aber nicht. Die Behörden wollen dazu nichts sagen, damit ihr neuerliches, totales Versagen nicht in die Öffentlichkeit gelangt.

Vielleicht hätte man sich mal die Akten der Mutter ansehen sollen, die sind eindeutig.

Für Tobias sei es nun wichtig, dass man das Erlebte aufarbeite. Ich befürchte aber, dass der Leidensweg des Jungen jetzt noch nicht zu Ende ist. Wird man ihn nun massiv mit Pillen vollstopfen?

Lt RTL wird der Junge jetzt in einer Wohngruppe „betreut“. Erfahrungsgemäß bedeutet das, mit Psychopharmaka vollgestopft.

Der Junge ist in einem Heim, das schreibt, dass man mit einer Förderschule zusammenarbeitet. Erstaunlich, da soll das also gehen, was das Jugendamt dem Jungen im Elternhaus verweigert hat. Tobias hätte man nicht aus dem Elternhaus zerren brauchen, und in ein Heim bringen müssen, denn eine Förderschule hätte er auch vom Elternhaus aus besuchen können.

Besonders gut sind die bisherigen Beiträge der Presse nicht. Da braucht man sich mal wieder nicht zu wundern, dass der Glauben an unsere Medien immer weiter sinkt.

Die besseren Beiträge findet man im Internet.

Hier wurde einiges berichtet, aber auch diese Beiträge sind lesesnwert.

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/04/25/kaiserslautern-gewaltsames-vorgehen-von-polizeibeamten-gegen-asthmakranken-12-jaehrigen-bei-inobhutnahme-als-wuerden-sie-einen-bankraeuber-verhaften/

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2016/04/26/mutter-veroeffentlicht-schock-video-unfassbar-polizist-tritt-12-jaehrigen-und-fesselt-ihn/

 

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Eine Antwort zu Die Presse zu Tobias (12) aus Otterbach

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