Meine türkische Freundin kommt aus dem Libanon.

Seit Ende 2010 wohne ich hier in der behindertengerechte Wohnung. Durch den Umzug habe ich natürlich auch die Geschäfte zum Einkaufen gewechselt.

Eigentlich bevorzuge ich kleinere, private Firmen, und nicht so Konzerne. Auch mein Bäcker war so ein privates Unternehmen. Besonders zu 3 Mitarbeiterinnen hatte ich dort ein besonderes Verhältnis. Dennoch bin ich seit einiger Zeit meist bei einem anderen Großbäcker, weil die umgebaut haben, eine vernünftige Sitzgelegenheit bieten, und ich mit dem Rollstuhl ins Geschäft fahren kann.

Die Mitarbeiter dort sind auch nett und freundlich, aber eben weniger persönlich als bei meinem alten Bäcker.

Seit einiger Zeit habe ich aber auch dort eine spezielle „Freundin“, und ich weiß gar nicht so richtig, wie das so kam.

Vor einigen Monaten wechselte eine Mitarbeiterin zu dieser Filiale. Ich vermute, sie ist Türkin. Ob nur der Vater aus der Türkei stammt, oder beide Elternteile kann ich nicht sagen. Ich weiß auch nicht, ob sie Moslem ist, oder nicht. Fakt ist, sie trägt kein Kopftuch, und hat keine Probleme damit mir ein Brötchen, z. B. mit Fleischwurst zu machen.

So weit mir inzwischen bekannt, hat die Türkin bei dem Bäcker vor einigen Jahren ihre Ausbildung gemacht, und dann in einer anderen Filiale gearbeitet. Als sie in diese Filiale wechselte fiel sie durch ihre besondere Art sofort auf. Sie war sehr gut, und etwas erfrischend übermütig. Heute ist sie immer noch sehr gut, aber die erfrischende Art hat deutlich nachgelassen. Schade. Ich habe sie vor einigen Wochen darauf angesprochen, und sie gibt der Filiale die Schuld daran, dass ihr Übermut zurückgegangen ist.

Einige Zeit später waren wieder zwei neue Mitarbeiterinnen dort. Eine Deutsche und eine Türkin. Seit heute weiß ich, dass die Türkin keine Türkin ist. Ob sie Moslem ist, ist mir auch nicht bekannt, aber seit unserem heutigen Gespräch gehe ich eher davon aus, dass sie Moslem sein dürfte. Auch sie trägt kein Kopftuch, und hat kein Problem mir ein Brötchen mit Fleischwurst zu machen.

Zunächst waren mir die beiden neuen Mitarbeiterinnen gar nicht aufgefallen, aber ich war, zumindest der Türkin, aufgefallen. Nicht unbedingt verwunderlich, denn so viele Rollstuhlfahrer gibt es da jetzt nicht. Außerdem fällt halt auf, welche Schwierigkeiten ich beim Aufstehen aus dem Rollstuhl habe. Auch meine unterschiedlichen Rollstühle wird man sicherlich bemerkt haben. Wenn mein Elektrorollstuhl von der Krankenkasse mal ausnahmsweise nicht kaputt ist, denn nutze ich natürlich die Hubfunktion zum Aufstehen, was sicherlich nicht unbemerkt bleiben sollte.

Nachdem ich bemerkte, dass die junge Türkin sich regelmäßig gefreut hat, wenn ich kam, mache ich manchmal auch einen Spaß mit ihr. Manchmal hat sie mich sogar am Bistro bedient, auch wenn sie eigentlich gar nicht für das Bistro eingeteilt war.

Oder wenn ich dort zum Einkaufen fahre, und gar nichts vom Bäcker brauche, dann winkt sie mir, wenn sie mich sieht. Ich habe ihr Verhalten dann mal damit honoriert, dass ich ihr vor Ostern einen kleinen 1-Euro-Osterhasen geschenkt habe. Vielleicht war das ihr erster Osterhase im Leben, denn sie hat sich gefreut, wie ein kleiner Schneekönig.

Ich bekomme wegen meiner Tätigkeit für den BdF auch manchmal einen Nikolaus, oder mal einen Osterhasen. Diese halten dann aber mindestens bis zum Fest. Die Türkin vom Bäcker ist aber anscheinend ein kleines Schokoladenmonster. Noch am selben Tag wurde der Schokohase verputzt. Zufällig hatte ich einen Hasen mit Nussschokolade erwischt, die sie angeblich besonders gerne isst. (Ich übrigens auch. Der Leser kann schon mal losziehen, und Nussschokolade für mich kaufen. 😉 )

Vor 5 bis 6 Wochen gab es ein Ereignis, was hier nicht thematisiert wurde. Unsere Sonnenstaatdeppen meinten daraufhin, dass ich im Knast stecken könnte. Das war zwar nicht der Fall, aber im Moment bin ich gesundheitlich etwas weiter eingeschränkt. Mein Brötchen und mein Kaffee wird mir deshalb im Moment an den Tisch gebracht. Ich revanchiere mich dann hin und wieder mit etwas Leckerem.

Vor einigen  Tagen gab es für die 4 anwesenden Verkäuferinnen 4 Duplos. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass 2 Verkäuferinnen kein Duplo bekommen hatten. Das türkische Schokomonster hatte nach eigenen Angaben mindestens zwei davon gegessen. Natürlich wurde das gebührlich thematisiert. Anschließend habe ich den beiden Verkäuferinnen noch zwei Hanutas gekauft, und dem Schokomonster extra kein gegeben.

Wenn Blicke töten könnten, wer weiß, ob ich dann noch am Leben wäre.

Natürlich hatte ich für das Schokomonster auch noch ein Hanuta gekauft, aber das wollte ich ihr erst am Nachmittag geben, wenn ich wieder da bin, um einzukaufen. Allerdings hatte das Mädchen da schon Feierabend.

Am nächsten Tag war ich mit Ninja beim Bäcker. Die kleine Türkin war auch da. Von meinem Sitzplatz lockte ich dann mit dem Hanuta. Natürlich dauerte es nicht lange, bis das Schokomosnter hinter ihrer Theke hervorkam, um sich ihre Belohnung abzuholen, und das verweigerte Hanuta vom Vortag war dann auch wieder vergessen.

Auch heute war sie wieder da. Ich wartete dort noch auf Ninja. Die Türkin machte gerade Feierabend, und so konnten wir noch ein paar Minuten Reden. So erfuhr ich, dass die Türkin eine Libanesin ist. Ist das nicht noch viel schlimmer?

Egal, ob Libanesin oder Türkin ist doch völlig egal, wenn der Mensch in Ordnung ist. Und genauso ist es in Ordnung nach Vorfällen, wie sie an Silvester in Köln und anderen Orten passiert ist, auf die Straße zu gehen. Das macht einen Menschen noch lange nicht zum Ausländerfeind, wie das nette Verhältnis zwischen der „Türkin“ aus dem Libanon, und mir bestätigt.  

Ein anderes Beispiel sind meine zwei Türken beim Behindertenfahrdienst. Mit meinem Ossitürken fahr ich ganz gerne, der andere Türke war mir zu blöd. Mein Ossitürke erzählte mir vor kurzem, dass der andere Türke dort nicht mehr arbeitet, weil er zu sehr Richtung Islamist abgedreht ist. Kein Wunder, dass ich mit dem Probleme bekam.

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2 Antworten zu Meine türkische Freundin kommt aus dem Libanon.

  1. Anonymous schreibt:

    Es gibt in jeder Region, in jedem Staat, in jeder Gesellschaft Gute, und weniger Gute und selbstverständlich ganz Schlimme. Das kann kein Vernüftiger an der Nationalität oder Religion festmachen. Nur fallen die Guten nicht so auf, wie die weniger Guten oder gar die ganz Schlimmen dagegen um so mehr auffallen. Wer da etwas von Rassismus herauslesen will, scheint nach meiner Meinung blööd oder borniert zu sein. Denn Gut und Böse hat mit Rassismuß nichts zu tun, sondern mit Erziehung, Kultur und Verhalten.

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