NÜRNBERG: Behinderte mit Electroscooter werden in Bus und Straßenbahn nicht mehr mitgenommen.

Wie bereits der VRR hat man sich jetzt auch in Nürnberg entschieden Gehbehinderte mit Elektroscooter nicht mehr in Bussen und Straßenbahnen etc. zu befördern. Als Grund wird angegeben, dass Elektroscooter bei einer Vollbremsung schneller umfallen würden.

Neben Personen befördert öffentliche Verkehrsmittel regelmäßig auch Fahrräder, Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle. Bis Ende 2014 wurden dabei kein Unterschied gemacht zwischen einem  Rollstuhl, einem Elektrorollstuhl oder Elektroscooter. Jetzt sollen die Scooter plötzlich schneller umfallen als ein Fahrrad, Kinderwagen oder Rollator. Das ist natürlich schon auf den ersten Blick völliger Quatsch.

Ich habe in Bahn und Bus schon Fahrräder, Kinderwagen und Rollatoren umfallen gesehen, aber noch nie einen Elektroscooter, die auuh Elektromobile genannt werden. Besonders wenn die Elektromobile im Fahrzeug in Fahrtrichtung, oder gegen die Fahrtrichtung stehen, ist ein Umfallen bei einer Vollbremsung gar nicht vorstellbar.

Aus meiner Sicht verstößt das Beförderungsverbot gegen die Gleichbehandlung von Behinderten. Das ist eine eindeutige Diskriminierung. Die angebliche Kippgefahr ist eine Farce. Und die Beschlüsse des VG Gelsenkirchen und OVG völlig falsch.

  … Die von der Antragsgegnerin für die Beförderung von behinderten Menschen zugelassenen (Hilfsmittel-) Fahrzeuge bzw. Krankenfahrstühle können in den Linienfahrzeugen sicher abgestellt werden, indem sie nach der Einfahrt im mittleren Bereich des Wagens (gegebenenfalls über eine dafür vorgesehene ausklappbare Rampe) über die dort vorhandene sog „große Sondernutzfläche“ zu dem für diese Rollstühle vorgesehenen Platz mit einer diese in Fahrtrichtung begrenzenden „Prallfläche“ bzw. einem Prallbrett fahren. Dies verhindert Kippen oder Rutschen des unmittelbar daran herangefahrenen Krankenfahrstuhls. Wegen der größeren Maße und der geringeren Wendigkeit von Elektromobilen („Wendekreis“, kein Wenden auf der Stelle) im Vergleich mit Hand- oder Elektro-Rollstühlen können Elektromobile regelmäßig die Fläche vor dem Prallbrett nicht erreichen; sie können deshalb nur – und dies ist auch in der Praxis der Regelfall – quer zur Fahrtrichtung auf der großen Sondernutzfläche im Bereich des mittleren Eingangs abgestellt werden.

Das ist völliger Quatsch. Natürlich können Elektromobile bei der BOGESTRA in sämtlichen Bussen in oder gegen die Fahrtrichtung abgestellt werden, und somit auch das Prallbrett erreichen. Es wird bestritten, dass Elektroscooter dort überhaupt quer zur Fahrtrichtung stehen können, weil man dann die Rampe nicht mehr schließen kann. Es ist damit grundsätzlich in den Bussen der BOGESTRA nur möglich Elektromobile in oder gegen die Fahrtrichtung zu befördern.

Bei der ersten Generation der Hybrid-Busse von SOLAR ist sowieso keine Beförderung in der Querrichtung möglich. Und auch bei diesen sehr beengten Verhältnissen ist es möglich das Elektromobil in Fahrtrichtung abzustellen.

Auch in Bremen gab es zwischenzeitlich ein Beförderungsverbot für Elektromobilen. Dort wurde es aber von den Verkehrsbetrieben wieder zurückgenommen.

Das Oberlandesgericht von Schleswig-Holstein hat eine Entscheidung des Landgerichts Kiel aufgehoben, das gegen die Mitnahme entschieden hatte, und  teilt damit  meine Ansicht.

In seinem Schreiben verweist das OLG auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz und begründet die Ablehnung damit, dass „die Nichtbeförderung von Personen mit E-Scootern im regulären Linienverkehr eine Ungleichbehandlung von Menschen mit Behinderung im Sinne des Paragraphen 19“ darstellt.

In Bayern gibt es Sigrid Neidhöfer, die gegen das Beförderungsverbot vorgeht. Sie hat bei change.org eine Petition gestartet, und bereits ca. 35.000 Unterschriften erreicht. Natürlich haben dort nicht nur Scooter-Fahrer oder Rollstuhlfahrer unterzeichnet, sondern jeder kann dort unterzeichnen, der gegen den Abbau von Barrieren in Deutschland ist.

https://www.change.org/p/aufhebung-des-scooter-verbots-f%C3%BCr-menschen-mit-behinderung-in-linienbussen-inklusion

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2 Antworten zu NÜRNBERG: Behinderte mit Electroscooter werden in Bus und Straßenbahn nicht mehr mitgenommen.

  1. Wissender schreibt:

    Wieso steht hier nichts über den Niederrheiner?

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