Worüber hat sich dieser Busfahrer eigentlich aufgeregt?

Es ist schon einige Jahre her, wo ich meine großen Probleme mit der BOGESTRA (Bochumer-Gelsenkirchener-Straßenbahn) AG hatte. Eigentlich ist das so auch nicht richtig, sondern die Probleme gab es zunächst mit einigen wenigen Fahrern, aber aus falsch verstandener Kollegialität war das zum  Schluss schon eine große Gruppe mit denen es Probleme gab.

Damals war ich noch ohne Rollstuhl unterwegs. Mit zwei Krücken bewaffnet habe ich damals Bus und Bahn benutzt. Durch die Benutzung der Krücken bekam ich zusätzliche Probleme mit meinen Schultern, was erst wieder besser wurde, als ich auf den Elektrorollstuhl umgestiegen bin.

Die BOGESTRA hatte damals bereits Busse im Einsatz, die sich zum Ein- und Aussteigen absenken ließen. Die Fahrer hatten auch die Anweisung diese zu benutzen, aber einige Fahrer hatten dies regelmäßig nicht beachtet. Weil nicht nur mir dadurch das Ein- und aussteigen massiv erschwert wurde, und ich manchmal auch noch blöde angemacht wurde, wenn ich die Fahrer ansprach, hatte ich mich zunächst bei der BOGESTRA regelmäßig über die Fahrer beschwert, und dies später öffentlich gemacht.

Manche Fahrer hatten dafür Verständnis, aber andere meinten, dass sie mir das Leben noch schwerer machen müssten. Annähernd ein Jahr dauerte der Kampf, dann war urplötzlich Schluss. Offenbar hatte die BOGESTRA mal ein massives Machtwort gesprochen. Von einem befreundeten Fahrer hatte ich dann auch erfahren, dass zumindest ein Fahrer massive Probleme mit seinem Arbeitgeber bekam.

Ob das einer der Fahrer war, der meinte, dass er mich regelmäßig ärgern müsste, oder ob es der Fahrer war, der von mir gemeldet wurde, weil er vorsätzlich das Skateboard eines Jugendlichen kaputt fuhr, ist mir nicht bekannt.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen, und ich bin schon seit über 3 Jahren mit dem Rollstuhl unterwegs. Das Personal bei der BOGESTRA hat sich in dieser Zeit massiv verändert, und es gibt nur noch wenige Fahrer aus der damaligen Zeit.

Das Verhältnis zu den Fahrern hat sich im Wesentlichen auch wieder deutlich verbessert. Es gibt sogar Mitarbeiter die mich ganz besonders gut leiden können. Hin und wieder gibt es dann trotzdem mal wieder ein Problem. Das Auffällige dabei ist, dass dies immer und immer wieder die selben Fahrer betrifft. Ich habe einmal einen unfreundlichen Fahrer erlebt, der mir sonst als eher freundlich bekannt war, aber sonst sind es immer wieder die selben 3 oder 4 Fahrer mit denen man Probleme bekommt.

2015 gab es ein Erlebnis mit einem Fahrer, das ich aber nicht veröffentlicht habe. Damals wollte ich am Musiktheater mit dem 383 zur Küppersbuschstr. fahren. Der mir schon als äußerst mürrisch und unfreundlich bekannte Fahrer kam, um die Klappe rauszuholen, stellte sich aber furchtbar unfähig an. Er ging dann nochmal nach vorne, um den Haken zu holen, mit dem man die Klappe öffnen kann. Allerdings hat er die angeblich nicht gefunden.

Man kann die Klappe auch ohne den Hacken öffnen, aber er schaffte das nicht. Er rannte nun am Musiktheater rum, um angeblich ein Stöckchen zu finden, um damit die Klappe zu öffnen. Einer jungen ausländischen Frau, evtl. Türkin, reichte es nun. Sie stand auf, und hat dann für den Fahrer die Klappe aufgemacht, damit ich rein konnte. An ihrer Äußerung konnte man erkennen, dass sie den Fahrer nicht besonders mochte. Ich habe mich dann bei ihr natürlich bedankt.

Ich hatte Glück. Die Frau musste auch an der Küppersbuschstr. aussteigen. Der mürrische Fahrer war sogar ausgestiegen,um anscheinend die Klappe zu öffnen, aber die Frau wollte das Schauspiel nicht erneut mitmachen, und rief, dass sie das schon macht. Als ich dann wieder draußen war, habe ich mich natürlich wieder bei ihr bedankt. Zusätzlich teilte ich ihr noch mit, dass der Fahrer sowieso nicht zu den freundlichsten gehören würde. Die Frau meinte dann:

Ich weiß, ich hasse den auch.

Das Wort HASSEN sollte man jetzt vielleicht nicht ganz wörtlich nehmen, sie hat es vielleicht benutzt, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, aber es zeigt zumindest, dass sie diesen Fahrer, wegen seinem üblichen Benehmen nicht mochte. Vermutlich hat sie auch schon persönlich schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht.

Heute gab es mal wieder ein ganz spezielles Erlebnis mit einem Fahrer, was mich bei dieser Person aber überhaupt nicht wunderte. Er ist auch einer der wenigen Fahrer, die auf meiner Negativliste stehen.

Ich kam mit Lana und Ninja von POCO. Die beiden Frauen sind 2 Haltestellen vor mir ausgestiegen, ich fuhr bis zum Grillo-Gymnasium. und musste dort in den 3883 zur Küppersbuschstr. umsteigen. Es war schon nach 19 Uhr, und der Bus fährt nicht mehr im 10 Minutentakt, also musste ich länger warten. Es kam noch ein zweiter Rollstuhlfahrer dazu, der auch mit dem 383 zur Küppersbuschstr. wollte. Ein Türke mit einem türkischen Begleiter. Ich kenne beide. Der türkische Begleiter ist politisch Aktiv, ich habe ihn schon auf Demos getroffen, und er ist oder war auch bei der Flüchtlingsbetreuung aktiv.

Der Bus kam, der türkische Begleiter machte die Klappe für den Rollstuhl auf, denn der Fahrer machte keinerlei Anstalten, dass er diese Aufgabe erledigen wollte. Eigentlich ist das nämlich die Aufgabe der Fahrer, denn die sind versichert, während der hilfsbereite Fahrgast dies evtl. nicht ist. Dennoch wird das häufig von Fahrgästen erledigt. und mir als Rollstuhlfahrer ist es natürlich völlig egal, wer mir beim Einsteigen hilft.

Der türkische Rollstuhlfahrer fährt vor mir in den Bus. Der Bus war einer der älteren Modelle, die neuen Fahrzeuge haben mehr Platz. Dennoch passen auch in die älteren Fahrzeuge meist 2 Rollstühle plus Rollator oder Kinderwagen. Ein Kinderwagen war schon drin, deswegen musste man rangieren. Ich habe den türkischen Vater gebeten mit dem Kinderwagen kurz auszusteigen, damit ich mit dem Rollstuhl noch reinfahren kann. Dann, wenn die Rampe wieder im Bus ist, dann kann der Kinderwagen wieder rein. Alternativ wäre es auch möglich gewesen, dass der Kinderwagen nicht im Bereich der Mitteltür steht, sondern im Bereich der hinteren Tür.

Kinderwagen raus, ich mit Rollstuhl rein, Klappe zu, und Kinderwagen wieder rein. Eigentlich hätten wir jetzt wieder losfahren können, aber da haben wir die Rechnung ohne den unfreundliche Fahrer gemacht.

Die ganze Aktion mit den beiden Elektrorollstühlen, und dem Kinderwagen rein und raus hat natürlich etwas gedauert. Eigentlich wäre es ja die Aufgabe des Fahrers gewesen das zu managen, und die Rampe zu bedienen. Zeit genug war ja da. Aber der Fahrer blieb lieber auf seinem Sitz sitzen. Als wir dann fertig waren, da drehte er sich um, und fing nun an zu meckern. Zunächst waren wir Rollstuhlfahrer, der Begleiter und der Vater mit Kinderwagen bemüht sehr ruhig zu bleiben, aber das muss der Fahrer verstanden haben, uns weiter anmachen zu können. Wir haben dem Fahrer erklärt, dass alles gut ist, und er ruhig weiterfahren kann, aber er wollte partout seine schlechte Laune los werden.

Wir haben dem Fahrer erklärt, dass beide Rollstühle drin sind, und der Kinderwagen auch wieder, aber der Fahrer musste unbedingt weiter meckern. Unglaublich, der Fahrer meckerte mit uns, mit dem Hinweis, dass das seine Aufgabe wäre.

Ja Herr unfreundlicher Busfahrer, es wäre tatsächliche ihre Aufgabe gewesen, dafür zu sorgen, dass die beiden Rollstühle in den Bus können, und dafür zu sorgen, dass der Kinderwagen entweder nach den beiden Rollstühlen wieder in der Mitte oder Hinten rein kann, aber uns anzumachen, dass er seiner Aufgabe nicht nachkommt, das ist schon dreist.

Rollstuhlfahrer sind meist geduldige Menschen. Wenn man regelmäßig auf fremde Hilfe angewiesen ist, dann ist es unklug aufbrausend zu sein. Und ich habe auch schon ein gewisses etwas beruhigendes Alter, aber der türkische Begleiter wollte sich dann die Unverschämtheit des Fahrers nicht länger gefallen lassen. Er hat das aber sehr gut gemacht. Er ist redegewandt. Er kann mehr von sich geben als.

ich hole gleich meine Brüder.

Sehr sachlich, aber bestimmt versuchte er dem Fahrer nun begreiflich zu machen, dass es tatsächlich seine Aufgabe gewesen wäre, das zu machen, was wir arrangiert haben. Der Fahrer versuchte sich nun in Ausflüchte und wollte behaupten, dass er ja gar keine Möglichkeit gehabt hätte seine Aufgabe zu erledigen. Das ist gelinde gesagt völliger Quatsch. 2 Rollstühle rein, ein Kinderwagen rein und raus, das dauert lange genug, um dem Fahrer die Zeit zu geben sich zumindest mal von seinem Sitz zu erheben. Das hatte er aber die ganze Zeit über nicht getan.

Natürlich hatte der Fahrer nun nicht nur die Beteiligten gegen sich, sondern auch die anderen Fahrgäste waren längst auf unserer Seite. Nochmal, es gab überhaupt keinen tatsächlichen Grund für den Fahrer sich über irgendetwas aufzuregen. Wir hatten, ohne den Fahrer, alles geregelt. Wir hatten das gemacht, was eigentlich die Aufgabe des Fahrers gewesen wäre. Nur wir hatten uns darüber gar nicht aufgeregt, sondern das hat der Fahrer ganz alleine verursacht.

Der Kinderwagen stieg an der Herzogstr. aus, die beiden Rollstuhlfahrer stiegen eine Haltestelle später, an der Küppersbuschstr. aus. Ist klar, dass der türkische Begleiter des türkischen Rollstuhlfahrers nun nicht mehr bereit war einen Hanfschlag zu machen. Schön durfte der Fahrer nun aufstehen, und die beiden Rollis rauslassen.

Um 19:28 Uhr waren wir am Grillo-Gymnasium in KOM 385 eingestiegen, um 19:38 Uhr sind wir dann leicht verspätet an der Küppersbuschstr. angekommen.

Ich denke, dass es neben dieser Veröffentlichung, auch noch eine schriftliche Beschwerde über den Fahrer geben wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der türkische Begleiter des Rollstuhlfahrers dies einfach so hinnehmen wird.

Ein Wort noch zur BOGESTRA. Vor einigen Wochen hatte ich mich über eine ähnliche Situation bei der BOGESTRA beschwert.

Ein Rollstuhlfahrer war im Bus. Ich wartete an der Haltestelle. Eine Mutter mit Kinderwagen kam später als ich zur Haltestelle. Weil ich aber auf den Fahrer warten musste, drängelte sie sich vor mir in den Bus. Es wäre leicht für den Fahrer gewesen das Problem zu lösen.

Kinderwagen raus.

Rampe raus.

Rollstuhl rein

Rampe rein.

Kinderwagen wieder rein.

(Alternativ hätte man den Kinderwagen auch hinten befördern können.)

Meine Beschwerde wurde von jemand beantwortet, der das Problem anscheinend überhaupt nicht kapiert hat. Er teilte mir mit, dass ich als Rollstuhlfahrer kein Anspruch hätte als Erster einzusteigen.

Man, darum geht es nun wirklich nicht. Ob ich der Erste oder der 128 bin, ist mir doch völlig egal. Aber in den Beförderungsbestimmungen steht nun mal, dass der Fahrer alles unternehmen muss, um einen Rollstuhlfahrer zu befördern. Dazu gehört auch, dass man einen Kinderwagen umlagert, wenn das notwendig ist.

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2 Antworten zu Worüber hat sich dieser Busfahrer eigentlich aufgeregt?

  1. beamtendumm schreibt:

    Hat dies auf Bahn und Bus rebloggt.

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  2. vogtb schreibt:

    Es gibt eine simple Erklärung für das Fehlverhalten von Busfahrern. Nicht nur von den hier genannten!

    Busfahrer waren einstmals, genau wie Schrankenwärter, Zugschaffner, Kontroll- und Aufsichtsdiener im öffentl. Nahverkehr, Postboten und einige weitere BRD-Bedienstete, BEAMTE!!!

    Dieses „MÖCHTEGERN–BEAMTEN-GEN“ steckt offenkundig noch in etlichen BRD-Bediensteten, gleich welcher Fach- und Sachrichtung!

    Heute heist dass, was die Möchtegern-BEAMTENso gern seien würden, schlicht, und wenig Respekt einflößend: Einfacher Dienst!

                                          https://de.wikipedia.org/wiki/Einfacher_Dienst
    

    Man könnte also vermuten, dass das MÖCHTEGERN-BEAMTEN-SYNDROM eine schwerwiegende, hartnäckige Kopfkrankheit ist, die bei einigen auf eine lange, genetisch bedingte Familienkrankheit zurück zu führen sei (Uropa diente als PostBEAMTER beim Kaiser, Opa als KZ-Wächter-BEAMTER beim „Führer“, Papa als BRD-Schrankenwärter-BEAMTER, und der mißratene Sohn jetzt fährt Bus, und träumt, er wäre Busfahrer-BEAMTER in öffentlichen Nahverkehr…..

    So einfach können manchmal die Erklärungen ärgerlicher, nerviger und menschenverachtender Verhaltensmuster bei Malochern im Einfachen Dienst sein.

    Bernd Vogt
    Netzwerk Menschenrechte

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