Edith platzt der Blinddarm, mir platzt der Kragen

In der ersten Jahreshälfte fuhr ich mal nach Mönchengladbach, um Edith im Krankenhaus zu besuchen. Edith war dort mit eine geplatzten Blinddarm eingeliefert worden. Besonders viel Besuch bekam sie in dieser Zeit nicht, der Rollstuhlfahrer aus Gelsenkirchen war der einzige Besucher der es für nötig hielt sie mal zu besuchen.

Ich kann mich an die damalige Fahrt nach MG heute nicht mehr erinnern. Besonders spektakulär dürfte sie nicht gewesen sein. Ich meine, ich wäre damals über Duisburg nach MG gefahren, und auf der Rückfahrt über Düsseldorf. Sowohl der Bahnhof in Duisburg als auch in Mönchengladbach sind ein Problemfall für Rollstuhlfahrer. Die Züge die auf der Strecke Duisburg – Mönchengladbach eingesetzt werden haben eingebaute Rampen für Rollstuhlfahrer, können aber kaum genutzt werden, weil der Bahnsteig in Duisburg und Mönchengladbach zu hoch ist. Echt clever.

Auf der Strecke Düsseldorf – MG sieht das besser aus. Die eingesetzten Doppelstockzüge habe andere Rampen, dort gab es bisher keine Probleme, allerdings ist die Strecke Gelsenkirchen – MG über Düsseldorf deutlich weiter.

Vor 14 Tagen war ich wieder bei Edith in Mönchengladbach. An dem Donnerstag war erstmalig beim Stammtisch von Edith. Über die Fahrt habe ich hier berichtet. Sogar mein Rollstuhl ging kaputt, weil er von einer Aufzugstür eine verpasst gekriegt hat. Morgen soll er aus der Reparatur zurück kommen. Im Moment bin ich also mit einem Leihgerät unterwegs. Mit dem fuhr ich heute zunächst zu einer Behandlung nach Düsseldorf. Dafür benutzte ich die Eurobahn. Die verwenden Fahrzeuge, bei denen es ziemlich wenig Probleme für Rollstuhlfahrer gibt. Allerdings war die Tür kaputt, wo der eigentliche Rollstuhlplatz ist. Kein Problem, man kommt auch bei den anderen Türen rein.

Nach der Behandlung, die mir bisher seht gut tut, aber von der Krankenkasse nicht bezahlt wird, fuhr ich mit dem Doppelstockzug nach MG, was auch kaum Probleme machte, außer dass der Zug schon mit 5 Minuten Verspätung in Düsseldorf ankam. Auch das Aussteigen in Mönchengladbach funktionierte bei diesem Zug problemlos.

Anschließend fuhr ich mit einem der Schnellbusse nach Rheydt. Mein Zug hält auch in Rheydt, aber mit de kann ich dort nicht hinfahren, weil es dort keine Aufzüge gibt.

Bei Edith vor der Tür sah ich, dass sie fleißig am Saugen war. Ich wusste, dass sie morgen mit Martin verabredet war. Scheinheilig rief ich sie an, und fragte ob den morgen bei ihr Stammtisch wäre. Zu meiner Verwunderung antwortet sie mir mit einem „Ja“. Jetzt war ich irritiert. Per Mail wurde doch mitgeteilt, dass der Stammtisch heute sei. Ich sprach sie darauf an, und sie meinte, dass sie heute Stammtisch mit 2 Leuten aus Essen und Oberhausen hätte, die neu sind, und morgen den Stammtisch mit Martin und Co.

Während ich mit ihr telefonierte, habe ich dann bei ihr an der Tür geklingelt. Sie meinte dann am Telefon, dass ich warten sollte, weil es bei ihr an der Tür geklingelt hätte. Wer konnte das nur gewesen sein? Überraschung! Als sie die Tür aufmachte stand ich davor.

Ich habe dann das Telefongespräch beendet, und auf face-to-face-Kommunikation umgestellt. (Hab ich das nicht schön gesagt?) Edith hat sich gefreut mich persönlich zu sehen, und ich war heute der erste Stammtischbesucher. Später kam noch eine Person aus Essen und Oberhausen dazu, die wir vielleicht demnächst auch bei unserem Stammtisch in Gelsenkirchen treffen werden. Von ca. 17:40 bis 21:10 blieb ich dort. Dann fuhr ich zur Bushaltestelle, um den Rückweg anzutreten. Ich hatte mir eine schlechte Zeit ausgewählt. 10 Minuten eher hätte ich Edith verlassen sollen, dann hätte das zumindest mit dem Bus besser geklappt. 20 Minuten Wartezeit in der Kälte war angesagt. Auf die mehr als merkwürdige Busanzeige will ich mal nicht näher eingehen, das war bereits vor 14 Tagen abenteuerlich.

Bis zum Bahnhof ging alles ziemlich gut. Hier hatte ich nun wieder die Wahl über Duisburg oder Düsseldorf nach Gelsenkirchen zu fahren. Über Düsseldorf ist es weiter, und dauert daher länger, aber ich komme eigentlich besser in den Zug. Da der Zug über Düsseldorf 12 Minuten früher fuhr, als der Zug über Duisburg machte das die längere Fahrzeit fast wieder wett. Deshalb wollte ich zunächst mit dem Doppelstockzug fahren. Der stand auf Gleis 7, und dort war der Aufzug defekt. Damit war das schon gescheitert.

Also musste ich doch mit dem späteren Zug über Duisburg fahren, der eigentlich von Gleis 4 fahren sollte. Wegen der Rampenproblematik suchte ich einen Bahnmitarbeiter auf, der eine mobile Rampe zum Zug bringen konnte. Den Mitarbeiter fand ich auf dem Bahnsteig von Gleis 4. Glück gehabt, oder doch nicht. Heute fuhr der Zug nicht von Gleis 4, sondern von Gleis 8. Der Bahnmitarbeiter mit seiner Rampe, und ich mit meinem Rolli fuhren also wieder vom Bahnsteig runter. Der Aufzug zum Gleis 8 war nicht kaputt, noch nicht, aber der Bahnmitarbeiter und ich schafften das beinahe.

Zunächst wollte der Bahnmitarbeiter mit der Rampe und mit mir und Rolli zusammen im Aufzug nach oben fahren. Den Versuch hat er aber schnell eingestellt, weil er merkte, dass mein Rollstuhl nicht ganz reinpasste.

Die meisten Aufzüge an de Bahnhöfen haben inzwischen 2 Türen. Das hat den Vorteil, dass Kinderwagen, Rollstühle etc. normalerweise vorwärts reinfahren können, und auch vorwärts rausfahren können.  Dieser Aufzug hatte auf gegenüberliegenden Seite keine Tür, also ging ich davon aus, dass ich rückwärts wieder raus muss. Dumm nur, dass das ein Aufzug war der breiter war als lang, und mein Rollstuhl somit nicht gerade ganz reinpasste.

Ich versuchte es quer. Dazu muss man rückwärts reinfahren und  etwas rangieren, wenn der Aufzug zu kurz ist wie dieser. Kein Problem, immerhin haben die Aufzüge ja (normalerweise) eine (funktionierende) Lichtschranke, die das vorzeitige Schließen der Tür verhindern. Das interessierte aber diesen Aufzug gerade mal gar nicht. Obwohl er meckerte: „Bitte die Tür freimachen“, und somit also wusste, dass die Tür nicht frei war, ging die Tür einfach zu.

Das ist nicht schön, aber (normalerweise) auch kein Problem. Sobald die Tür merkte, dass da ein Hindernis ist, sollte sie eigentlich wieder aufgehen, oder zumindest den Schließvorgang stoppen. Diese scheiß Aufzugstür interessierte das alles gar nicht. Die Tür hat meinen Rollstuhl einfach eingeklemmt, und wollte meinen Rollstuhl auch nicht mehr hergeben. Wir haben versucht die Knöpfe zu drücken, um die Tür aufzukriegen, haben das Bein in die Lichtschranke gehalten, und der Bahnmitarbeiter hat auch versucht die Tür aufzudrücken. Alles vergeblich.

Man muss sich mal vorstellen was da hätte passieren können, wenn es nicht ein Rollstuhl gewesen wäre, sondern ein Mensch, vielleicht sogar ein Kind, oder ein Tier.

Glück im Unglück. Mein Rollstuhl ist ja vor 2 Wochen kaputt gegangen, als er sich mit der Aufzugstür angelegt hatte. Er wurde an der Armlehne und dem Steuerpult getroffen.

Der Leihrollstuhl wurde jetzt im Bereich der Fußstützen und des Rahmen getroffen, und hatte dadurch wesentlich bessere Überlebenschancen. Weil der Bahnmitarbeiter aber die Tür alleine nicht aufbekam, habe ich die Tür mit dem Rollstuhl wieder aufgedrückt, in dem ich den Rollstuhl nach links lenkte.

Danach fuhr ich wieder raus,, und versuchte mein Glück erneut den Rollstuhl in den Aufzug zu bekommen. Und obwohl jetzt 2 Bahnmitarbeiter versuchten mir zu helfen, klemmte mich diese verdammte Dreckstür wieder ein. Wieder versuchten die Mitarbeiter die Tür aufzudrücken, aber das interessiert den Aufzug wieder nicht. Wieder musste ich mit dem Rollstuhl helfen die Tür aufzudrücken. Die Geräusche die die Tür dabei machte hörten sich nicht wirklich gut an. Der Bahnmitarbeiter und ich gingen eigentlich davon aus, dass der Aufzug bzw. die Tür nun endgültig auch kaputt ist. Zunächst sah das auch so aus. Die Tür ging nicht mehr zu. Als der Bahnmitarbeiter dann den Aufzug nochmal betrat hörten wir dann zu unserem Erstaunen: „Tür bitte freimachen“. Als der Mitarbeiter den Aufzug dann wieder verlassen hatte, schloss sich die Tür, und der Aufzug fuhr nach oben. Nach dieser erfolgreichen Leerfahrt wurde das Ding wieder runtergeholt. Ich sah dann, das der Aufzug doch eine zweite Tür hatte, aber eben nicht gegenüber der Eingangstür, sondern auf der rechten Seite von der Eingangstür. Welcher Rollstuhlfahrer liebt sie nicht diese blöden Aufzüge. Man muss den Rollstuhl im Aufzug drehen, um wieder rauszukommen.

Ich bin jetzt aber vorwärts reingefahren, natürlich sehr schräg, damit ich da reingepasst habe, und auch durch die Seitentür wieder rauskam. Durch die mobile Rampe bin ich dann in den Zug gekommen, aber damit war das Abenteuer Rückreise noch nicht beendet.

Der Zug fuhr nach Essen. Lt. Fahrplan sollte ich aber in Duisburg umsteigen, und dann mit dem RE2 (Eurobahn) weiter nach Gelsenkirchen fahren. In Duisburg hat dieser Zug das selbe Problem mit der Rampe. Auch dort funktionierte die eingebaute Rampe meistens nicht. Ich brauchte also wieder einen Bahnmitarbeiter mit einer mobilen Rampe. Da der Lokführer in Duisburg aber keinen Bahnmitarbeiter anrufen konnte, musste ich bis nach Essen mitfahren. In Essen hatte ich dann gleich 3 Möglichkeiten mit der Bahn nach Gelsenkirchen zu kommen. Von Gleis 21/22 hätte ich entweder mit dem RB42 fahren können, der dort aber auch regelmäßig die Rampenprobleme hat, oder mit der S-Bahn. Dafür hätte ich aber in 2 bzw. 4 Minuten mit dem Rollstuhl den Bahnsteig wechseln müssen. Dafür hätte ich auch noch durch den Bahnhof und um den Bahnhof fahren müssen.

Die 3 Möglichkeit war der RE1 nach Münster. Die Wartezeit betrug 30 Minuten. Ca. 30 Minuten kam ich also später in Gelsenkirchen an, als wenn ich in Duisburg umgestiegen wäre. Dadurch war auch der letzte Bus schon weg. Ich musste daher mit verdächtig schwachen Akkus die Strecke vom Musiktheater nach Hause fahren, und war dann um 0:45 Uhr zuhause. Um 21:10 Uhr hatte ich Edith verlassen. 3,5 Stunden von Mönchengladbach nach Gelsenkirchen.

Da kann Edith aber froh sein, dass der Blinddarm nur einmal im Leben platzt. Denn mir ist jetzt der Kragen geplatzt, ich werde bestimmt nicht mehr so schnell nach MG fahren.

Dieser Beitrag wurde unter BdF, Beamtendumm abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.