Gustl Mollath, ein Einzelfall?

Wer hier regelmäßig liest, evtl. sogar vor dem ersten Beitrag über Gustl Mollath, vielleicht sogar auf dem Vorgängerblock beamtendumm.de, oder den Seiten von Folterknast.de, FrankAnne.de und Justizmafia.de, dem war längst klar, dass Gustl Mollath niemals ein Einzelfall war.

Aber wir sind noch etwas davon entfernt, dass auch der letzte Deutsche auf diesen Blog geht. Mancher Michel hat ja sogar bis heute nichts gehört über Gustl Mollath. Trotz ca. 200 Beiträge in der SÜDDEUTSCHEN und den ca. 150 Beiträgen in dem Volksblatt BILD. Und auch wenn Gustl Mollath in allen Fernsehsendern gleichzeitig läuft, der Deutsche Michel weiß nur ein, und das ganz genau. Gustl Mollath ist nicht Trainer beim FC Bayern, denn das wüssten man.

Und so verwundert es nicht, dass der Redakteur der SÜDDEUTSCHEN, die bei Gustl Mollath seit 2011/12 wirklich vorbildliche Arbeit geleistet hat, erklärt, dass es unheimlich viele Anfragen bei der Zeitung gibt, die fragen, ob dass denn wirklich alles so möglich ist. Der Redakteur spricht von einer Angst der Bevölkerung, dass ihnen das ebenfalls passieren kann, was Herrn Mollath passiert ist.

UWE RITZER „Wenn man als nicht Gutachter, nicht Jurist, auf diesen Fall schaut, dann wundert man sich eigentlich ständig, wenn man diesen Fall liest. Weil man ständig in Abgründe blickt. Ich konnte mir vorher, … ich konnte mir vorher nie vorstellen, dass Menschen in der Forensik, der Psychiatrie weggesperrt werden, über Jahre hinweg, wie das bei Herrn Mollath geschehen ist, die nicht untersucht wurden. Wo sich Leute hinsetzen, und anhand von Akten allein irgendwelche Gutachten schreiben. Das halte ich für dermaßen unglaublich, und ich muss ihnen auch sagen, das ist auch etwas  was z.B. eine ganz große Rolle spielt, bei den unglaublich vielen Reaktionen die wir auf unsere Berichterstattung in der Süddeutschen und auch des Buch jetzt haben, dass es Menschen gibt, die sagen: „Ist das wirklich so? Das können wir uns nicht vorstellen.“ Und das nährt auch dieses Unbehagen. Und es gibt ein unglaubliches Unbehagen, das sich jetzt als Reaktionen auf den Fall Mollath, auf die Berichterstattung äußert. Ein unglaubliches Unbehagen, gegenüber psychiatrischen Gutachtern, gegenüber Gerichten und gegenüber den Mechanischem die da ablaufen. Wo man so das Gefühl hat, da ist auch sehr sehr viel Schema-F drin.“ …

Wer hier regelmäßig liest, den kann das doch alles gar nicht verwundern. Wir berichten dies doch schon immer. Und zwar nicht nur in einem Einzelfall, sondern in ganz, ganz vielen Fällen.

Beckmann fragt dann weiter:

„Diese Erfahrungen, die sie jetzt gemacht haben, mit ihrer Recherche und dem vielen,  Lesen der Gutachten, sind sie auch zu der Meinung gekommen, dass das kein Einzelfall sein kann?“

UWE RITZER  „Also ich hüte mich immer mit absoluten Urteilen, aber ich habe doch sehr das Gefühl, ja, ich habe das Gefühl, und es ist auch so, wir haben inzwischen an die 100 Fälle auf dem Tisch, wo uns Menschen schreiben, ich bin ja ein zweiter Fall Mollath. …

BECKMANN „Frau Ziegert sie haben eben genickt?“

ZIEGERT „Nah ja, ich kann das bestätigen.  Also ich hab zahlreiche vergleichbare Fälle. Und ich hab in letzter Zeit viel mit einem Herrn zu tun, der auch im Maßregelvollzug, seit 19 Jahren inzwischen untergebracht ist, weil er gelegentlich, wenige Male, in seinem Leben sein Glied hergezeigt hat. Da ist die Frage der Verhältnismäßigkeit natürlich relevant. …“

Dabei dürfte es sich um Franz Einhell handeln. Über Franz Einhell wurde hier bereits 2012 berichtet. https://beamtendumm.wordpress.com/2012/12/14/franz-einhell-hat-niemand-getotet/

Und wenn man bei google sucht, dann findet man auch fast nichts darüber.

https://www.google.de/search?q=franz+einhell&ie=utf-8&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&gws_rd=cr

Irgendwann müsste also doch auch der Letzte begreifen, dass hier kein Müll geschrieben wird. Das was hier veröffentlicht wird ist Realität. Perverse Realität in unserem Land. In einem Land, in dem es keine KZ´s mehr gibt, weil man am Eingang das Wort KZ mit einem freundlichen Farbton übertüncht hat. Jetzt steht dort JUSTIZVOLLZUGSANSTALT, BEZIRKSKRANKENHAUS etc. Hört sich doch viel freundlicher an.

Und an unseren Gerichten gibt es auch keinen Freisler mehr, aber gefreislert wird dort weiterhin. Im Namen des Volkes natürlich. Für ein T-Shirt mit der Aufschrift PROZESSBEOBACHTER geht man in den Knast. Gedeckt von den netten Kollegen des OLG Hamm, und sogar den Rotröcken aus Karlsruhe.

Im Namen des Volkes, wird gefreislert, von Schwarzkitteln, die richterliche Unabhängigkeit mit Willkür verwechseln. Denen jegliche Legitimation des Volkes fehlt, in dessen Namen sie angeblich freislern, und bei denen niemals geprüft wurde, ob sie überhaupt die moralische Eignung für ihre Tätigkeit mitbringen. Selbst die fachliche Eignung scheint häufig zu fehlen. Und eine Qualitätskontrolle, die es sonst fast immer und überall gibt, fehlt in diesem Bereich völlig. Der richterlichen Unabhängigkeit sei dank. Selbst das Volk, in dessen Namen diese Urteile, nein Verbrechen begangen werden, hat keine wirkliche Eingriffsmöglichkeit.

Zwar war das Volk bei Gustl Mollath mal erfolgreich, denn ohne die massive Öffentlichkeit, wäre auch GM noch immer im Bezirkskrankenhaus, aber dieser Aufwand, der bei GM gemacht wurde, kann das Volk nicht in jedem Einzelfall erbringen.

Und natürlich ist Gustl Mollath kein Einzelfall. Sowohl was das Thema Justiz als auch das Thema Psychiatrie oder Forensik betrifft. Das muss doch jedem klar (geworden) sein.

Normalerweise gehöre ich nicht zu den Freunden von Beckmann. Gut Beckmann ist immer noch besser als dieser „WETTEN DASS“-Ruinierer, aber zur Zeit gibt es für mich kaum eine ansehbare Talkshow. Aber diese Sendung von Beckmann fand ich erwähnenswert gut.

Dieser Beitrag wurde unter ARD, Gustl Mollath, Gutachten, Justiz, Justizmafia, Massregelvollzug, Presse, Psychiatrie, Süddeutsche, TV, Zeitung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Gustl Mollath, ein Einzelfall?

  1. beamtendumm schreibt:

    „Kommentare“, die keine Kommentare enthalten, sondern nur einen oder mehrere Links, werden hier nicht veröffentlicht. Wenn hier jemand einen Kommentar, einen Link veröffentlichen will, dann wird erwartet, dass dazu auch etwas gesagt wird.

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  2. Korte Werner schreibt:

    Der Fall G. Mollath hat vielleicht den Einen oder Anderen angeregt, das System BRD einmal etwas kritischer zu überdenken. Die breite Masse der BRD- Einwohner sind inzwischen so medienverblöödet oder borniert, daß sie den Umfang und die Tragweite der von den Systemschergen angerichteten Schäden und das menschliche Leid nicht mehr zu erkennen in der Lage sind, ansonsten wäre die Revolution schon ausgelöst und die Gilgutine arbeitete im Akkordtempo. Denn es gibt vermutlich etliche Millionen hilf- und wehrlose Justizopfer.

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  3. Gehilfe-fürs-delikate schreibt:

    Es wird Zeit, daß eine demokratische Kontrolle (so es denn überhaupt „demokratisch“ sein kann) bezüglich der Justiz installiert wird. Für den Datenschutz gibt es „Datenschutzbeauftragte“, für die Informationssicherheit ist der Datenschutzbeauftragte meist auch noch als „Informationsfreiheitsbeauftragter“ tätig.

    Nun ist es an der Zeit , Herrn Mollath als „Justizbeauftragter“ der Bundesrepublik mit einem ausreichenden Stab an Justizopfern einzusetzen, die im Auftrage des Deutschen Bundestages alle Fälle bezüglich „Justizopfer“ in angemessener Zeit demokratisch nachprüfen.

    Es wird Zeit das „Versteck der absoluten Unabhängigkeit des Richters“ nach der „unabhängigen“ Entscheidung so auszumisten, daß jedem Außenstehenden klar wird, warum und auf Basis welcher Erkentnissse betroffene Richter die Entscheidung fällten. Sicherlich gibt es viele Fälle der Rechtsmäßigkeit und Verfassungstreue, das soll uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß =man sagt die Fehlerquote des Amtsgerichts läge bei 25%= es in der derzeitigen Deutschen Justiz eine weit über der Normalverteilung liegende Fehlerquote gibt und da hat das Deutsche Volk wohl ein demokratisches Recht der Überprüfung dieses nicht tolerierbaren Zustandes, selbst wenn eine Fehlerquote von 0,00 niemals erreicht werden kann.

    Aber es geht hier immer wieder um Menschen, deren Leben durch das aktive Handeln von Angehörigen der Justiz (also des Staates selbst) auf Jahre oder Jahrzehnte sinnlos zerschlagen wurde und wird und =selbst nach einem Eingeständnis des Justiz-Irrtums= die amtliche Anerkennung als Justiz-Opfer sowie eine angemessene materielle und moralische Entschädigung (eine vollständige Wiederherstellung ist ja meist nicht mehr möglich) dann trotzdem noch zielstrebig verweigert wird. Derzeit herrscht in diesem Staat leider immer noch das Motto, gegen das Justiz-Opfer muß von der Justiz und vom Staat selbst weiter getreten werden um den Irrglauben der „Unfehlbarkeit der Deutschen Justiz“ im Volk weiter aufrecht zu erhalten.

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    • beamtendumm schreibt:

      Eine demokratische Kontrolle muss die Volkswahl der Richter auf Zeit sein, damit das Volk die Möglichkeit hat, sich von den unfähigsten Juristen zu befreien. Aber das kann tatsächlich nicht die einzige Kontrolle sein. Es muss auch regelmäßig öffentlich gemacht werden, wie viele Verfahren in die nächste Instanz gingen, und dort abgeändert wurden.

      Ein „schwarzes Brett“ bei jedem Gericht scheint mir auch noch sinnvoll zu sein, wo jeder Bürger seine Erfahrung und Meinung über einen Richter eine Zeitlang aushängen kann. Und das den Richtern klar macht, sie sind nur einer Diener des Staates, die Obrigkeit, die sind wir.

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  4. bernd vogt schreibt:

    Der Skandal um, und die Vorgehensweisen der BRD-Justiz im Fall Guslt Mollath ein Einzelfall????

    Ich kann aus meinem allernächsten Umfeld allein schon mehr als ein Dutzend Fälle von Justiz-Willkür und Justiz-Terror benennen, die zum Teil ebenfalls zu unberechtigten Haftstrafen und weiteren Willkürmaßnahmen gegen die Geschädigten führten!

    Die Menschen, mit denen ich ehrenamtlich in Menschenrechts- und Geschädigten-Hilfs-Organisationen zusammenarbeite, sind mit Sicherheit in der Lange, ohne großes Nachdenken Tausend und mehr ähnlicher Skandalfälle aufzulisten. Und sie werden es in Kürze auch tun, und dieses öffentlich machen. So wie es hier bereits auf „beamtendumm“ dankender Weise schon tagtäglich geschieht!

    Bernd Vogt
    Netzwerk Menschenrechte

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  5. nic.schooldyk schreibt:

    Richtig, da sind viieele (vielleicht andersgelagerte) Faelle da draussen……….
    Was denen aber gemein ist, ist die Jstizwillkuer. Die fashistoiden Methoden, die das Grundgesetz zu einen Haufen Klopapier degradieren. Faelle, die aufzeigen, dass mit der zurechtgebeugten Prozessordnung, DAS und JEDES Grundgesetz (das so viele faelschlicherweise fuer eine Verfassung halten), mit der Prozessordnung ausgehebelt warden kann.
    Wenn das nicht hilft, dann kann eine bayerische „Weisswurscht“ ein Buch schreiben, das von der ersten bis zur letzten Seite erstunken und erlogen ist. Gaebe es jetzt ein Grundgesetz, das wirksam ist, koennte man den Verrueckten anzeigen und verklagen. Kann man aber nicht – das heist man koennte schon, aber was kommt dabei raus ? Garnix ! Wenn naemlich die angegriffene Justiz die „Weisswurscht‘ schon von vornherein „Plem-plem“ erklaert hat wird das auch garnix bringen…….

    Ich nehme das dann so, wie es der Verteidiger Herr Strate, sieht: Einfach ignorieren (diese Deppen). Diese grenzdebilen Agitateure muss man einfach ignorieren und hoffen, dass der Leser nicht ein Vacuum zwischen den Ohren sitzen hat und sich soweit informiert um zu sehen, was ist LUEGE, was ist Spekulation, wo ist der Unterschied und WO sind die Fakten, die rechtlich Relevanz haben?

    Damit der bayerische Seppl das erkennt, ………………….. hilft freilich nur beten ! Nach siebeneinhalb Jahren meint Gustl Mollath……………..“da ist Hopfen und Malz verloren“

    Freibier fuer Bayern !

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