Schwarzfahrer

447 Haftplätze hat die JVA Berlin Plötzensee, lt. Mitteilung vom 19.6.2013. Auch böse Schwarzfahrer sind dort. Aber wie viele?

Sind es weniger als 10?

Sind es ca. 10%, also höchstens 45?

Oder sind es etwa zwischen 50 bis 100 Gefangene, was über 20% der Gefangenen ausmachen könnte?.

Nein, das wäre ja absurd. Schließlich bekommen die meisten Schwarzfahrer doch nur eine Geldstrafe. Nur ganz, ganz wenige werden zu einer Haftstrafe verurteilt. Das in einer JVA 20% der Gefangenen wegen Schwarzfahren sitzen sollen, also weil sie entweder zu einer Haftstrafe verurteilt wurden, oder eine Geldstrafe nicht bezahlt haben, bzw. nicht bezahlen konnte, ist kaum vorstellbar. Schließlich ist der Knast für Verbrecher da, und nicht um sinnlos Steuergelder zu verpulvern, schließlich kostet der Hafttag pro Gefangener über 100 €.

Also machen sie ihre Schätzung.

Die taz berichtete am 14.10.2010, dass in der JVA Plötzensee 135 Gefangene wegen Schwarzfahren sitzen. Also rund 30% aller Haftplätze werden von Schwarzfahrern belegt.

447 Haftplätze x 365 Tage x 100 € = Diese JVA kostet den Steuerzahler also mindestens

16.351.500 € im Jahr. Allein für die Schwarzfahrer in der JVA Plötzensee dürfte der Steuerzahler damit ca. 5.000.000 € im Jahr ausgeben, wenn die Zahl der Schwarzfahrer regelmäßig bei 30% liegen sollte. Aber irgendwie müssen die Steuergelder ja unter den Mann gebracht werden.

Die Berliner Morgenpost berichtete, dass in Berlin jeder 3. verurteilte Schwarzfahrer seine Geldstrafe nicht zahlt, und diese (lieber) im Knast absitzt. Auch hier eine kleine Beispielrechnung.

Schwarzfahrer sind üblicherweise Personen mit maximal geringen Einkommen. Der Tagessatz der Geldstrafen dürfte daher zwischen 5 bis 20 € liegen. Wenn jeder 3. nicht bezahlt, bedeutet dies, dass zwei Verurteilte zwischen 10 bis 40 € Tagessatz bezahlen, während der 3. Verurteilte täglich Haftkosten von über 100 € verursacht. Unter kapitalistischen Gesichtspunkten macht das nicht wirklich Sinn.

Besonders pervers wird das dann, wenn man, wie in Wuppertal passiert, eine 86-jährige Frau wegen Schwarzfahren verhaftet, und diese für 40 Tage in die JVA Gelsenkirchen einliefert. Zum Glück soll die BILD die 400 € Haftkosten übernommen haben.

Hier sollte man sich wirklich überlegen, ob man Menschen im Rentenalter nicht die kostenlose Beförderung im Nahverkehr ermöglichen sollte.

http://www.taz.de/!59721/ 

http://www.morgenpost.de/berlin/article1669960/Jeder-dritte-Schwarzfahrer-zahlt-Geldstrafe-nicht.html

30%, sitzen wegen Schwarzfahren, hätten sie das erwartet?

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7 Antworten zu Schwarzfahrer

  1. Pingback: Führerscheinentzug bei allgemeinen Straftaten.. Seite 2 : Insofern ist das echt bescheuert, dass man so viel Geld für se...

  2. [SO] Olli schreibt:

    Rechtsprechung ist halt nicht unter fiskalischen Gesichtspunkten zu betrachten. Denn nach der Argumentation lassen wir am besten die ganzen Vergewaltiger und Mörder frei. Viele von denen sind im PKH untergracht, dagegen sind die JVA-Haftkosten ein Fliegenschiss…

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    • beamtendumm schreibt:

      … Denn nach der Argumentation lassen wir am besten die ganzen Vergewaltiger und Mörder frei. ,,,

      Hat da jemand den Sinn des Beitrags gar nicht verstanden?

      Diese angebliche Argumentation ist nämlich nicht dem Beitrag zu entnehmen.

      Mörder und Vergewaltiger, das sind die, die wirklich in den Knast gehören. Schwarzfahrer dagegen nicht.

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  3. Gehilfe-fürs-delikate schreibt:

    Es gäbe ganz einfache Lösungen (=die wohl nicht gewollt sind=):
    a) alle Rentnern erhalten statt Rentenerhöhung – Gratisticket im Nahverkehr ein Leben lang.
    b) alle Hartzer erhalten zusätzlich zur Erhöhung auf mindestens 500 Euro – Gratisticket im Nahverkehr jeweils für den Bewilligungszeitraum.

    +++ Vorteile:
    + fast keine Schwarzfahren mehr von „verarmten“ Menschen,
    + keine Verfolgung von Straftaten der Leistungserschleichung.
    * keine Kosten der Verkehrsbetriebe,
    * keine Kosten der Ermittlungsarbeit der Polizei (keine Personalkosten, keine Sachkosten)
    * keine Kosten der Staatsanwälte (keine Personalkosten, keine Sachkosten)
    * keine Kosten der Gerichte für öffentliche Prozesse (keine Personalkosten Richter, Sekretariat, Poststelle; keine Sachkosten …)
    + keine Kosten in den JVA

    – – – Nachteile
    – Kontrolleure erhalten weniger Erfolgsprovision (Fangprämie)
    – einige Polizisten, Staatsanwälte, Richter, Justizbeamte und -angestellte, Schließer usw. und sogar die Köche in der JVA haben weniger Arbeit, (entweder mehr Zeit für andere Aufgaben oder halt: Entlassung).

    Nun die Ergänzung zur Rechnung von Bernd:
    Beim Schwarzfahren mit ÖPV wird allgemein eine „Kurzfahrtstrecke“ angenommen, z.B. für 2,00 Euro.

    Wenn 2,00 Euro nicht bezahlt werden, dann hat die Gesellschaft, also wir alle, folgende Aufwendungen:
    – Polizei sowie Staatsanwaltschaft (Personalkosten und Sachkosten, angenommen 3 Stunden mit mündlicher Verhandlung),
    – Gericht (Personalkosten und Sachkosten, angenommen 3 Stunden mit mündlicher Verhandlung)
    – Auslagen der Zeugen (Kontrolleure) angenommen 100,00 Euro.

    dabei berechne ich Personalkosten die Stunde mit mindest 200,00 Euro und Sachkosten nochmals 50,00 Euro dazu, also 6 Stunden bis zur Verurteilung = 1.500 Euro zuzüglich Zeugen 100,00 Euro = 1.600 Euro.

    In der schönen Stadt Leipzig gibt eine Richterin für jedes Schwarzfahren = 1 Monat (30 Tage) unfreiwilligen Besuch in der JVA, das sind dann nochmals 30 x 100 Euro = 3.000 Euro.

    Folgerung:
    Für eine Kurzstrecke Schwarzfahren im Wert von 2,00 Euro gibt der Steuerzahler dann durchaus 4.600,00 Euro Steuergelder (und vieleicht noch mehr) aus.
    Hinweis: Früher war Schwarzfahren einmal OWiG, da war die Verfolgung und Ahndung wesentlich preiswerter , doch nachdem sich die Anzahl der Jugendlichen in den letzten 20 Jahren fast halbierte und damit auch die Jugendkriminalität fast halbierte, mußte ja für die verbeamteten Polizisten, Staatsanwälte und Richter eine Auslastung gefunden werden, und aus meiner Sicht war ein Weg dazu: Schwarzfahren als Straftat einzustufen.

    Das ist der gleiche Wahnsinn den die gleichen Leute bei der Bankenrettung verursachten: anstatt eine kleine Bank mit 100 Mio. Euro pleite gehen zu lassen, zahlt der deutsche Steuerzahler dann 50 bis 100 Mrd. Euro „Rettungsgelder“, damit die Spekulanten und Kapitalbesitzer keine oder nur sehr geringe Einbußen hinnehmen müssen.

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  4. Korte Werner schreibt:

    Es gibt immer viele Möglichkeiten ein System zugrunde zurichten. Eine Art dieses zu bewerkstelligen ist ja oben gut beschrieben. Hoffentlich erleben wir es noch, diese Systemschergen mit einem Knoten am Hals verziert von den Laternenpfählen herunterblickend zu sehen.

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  5. bdf01bvogt schreibt:

    Doch! Gerade unter kapitalistischen Gesichtspunkten macht es Sinn, Schwarzfahrer und andere Menschen (auch unschuldige!) für 100,00 Euro Haftkosten pro Tag (oder weit mehr) einzusperren!

    Das Willkür-Terror-System mit all seinen Millionen von Bediensteten, Handlangern, Verrichtungsgehilfen, Vollstreckungsgehilfen, Lebensmittel- und Knastbekleidungs-Zulieferern (die, Insiderinformationen zufolge, gern und großzügig Bakschisch, Schmiergeld und Bestechungsgeschenke an BRD-Bedienstete verteilen sollen…), und allen sonstigen Günstlingen muss doch am Laufen und am Leben gehalten werden!!!

    Koste es den Steuerzahler was es wolle!!!

    Gesparrt werden kann zum Ausgleich ja bei den Alten in den Pflegeheimen, den Kleinen in den Kitas, den Kranken in den überfüllten Krankenhäusern, den Studierenden an den Unis und den Bedürftigen, die auf den öden Fluren der ARGEN, Jobzenter und Sozialämter meist vergeblich nach wirksamer Hilfe, etwas Menschlichkeit und unbürokratischer Unterstützung suchen.

    So sieht Volkswirtschaft unter kapitalistischen Gesichtspunkten in der BRD wirklich aus. Das Volk ist für das System nichts als ein entmenschlichter Wirtschaftsfaktor, der sinnlos zu konsumieren, widerstandslos Steuern zu zahlen und ansonsten artig die Schnatze zu halten hat!

    Aber das war zum Glück nur bis gestern so…..

    Bernd Vogt
    Netzwerk Menschenrechte

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