Beitrag: Franz Einhell hat niemand getötet.

Ich wurde informiert, dass in der SZ ein Beitrag über Franz Einhell erschienen ist. Überschrift „Der nackte Wahnsinn“.

Jetzt habe ich auch Teile des Beitrags gefunden, den ich schon lange veröffentlichen wollte.

Wenn jemand in Bayern einen Mord begeht und zur lebenslänglicher Haft verurteilt wird, kann er nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden. (…) Franz Xaver Einhell hat niemanden ermordet. Er hat auch niemanden vergewaltigt, niedergeknüppelt oder sonst irgendwie an der Gesundheit geschädigt. Franz Einhell hat in Gegenwart von 4 Mädchen, die zwischen 11 und 14 Jahren alt waren, seine Hose geöffnet und seinen Penis herausgeholt. Das Landgericht Passau verurteilte Franz Einhell zu einem Jahr und sechs Monaten Haft. Das war am 18. Juli 1995. Weil ein Oberarzt des Bezirkskrankenhauses Mainkofen bei ihm eine Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ attestierte, billigte das Gericht dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit zu und wies ihn in den sogenannten Maßregelvollzug – also die Psychiatrie – ein. Und dort sitz er bis heute, 18 Jahre, einen Monat und 26 Tage später.
(…)
Einmal während dieser 18 Jahre ließ man Franz Einhell in einer betreuten Einrichtung Probewohnen. In dieser Zeit bekundete er einer 22-jährigen Bedienung in einer Gaststätte schriftlich und mündlich seine Zuneigung. Es gab keinen Straftatbestand und keine Anzeige, trotzdem wurde Franz Einhell sofort wieder in die Klinik zurückverfrachtet.
(…)
„Warum macht man das?“, fragt die Psychiaterin Hanna Ziegert. „Das ist doch genau das, was er lernen soll: Beziehungen zu erwachsenen Frauen aufzunehmen, ohne dabei gleich die Hose herunterzulassen. Man müsste ihm doch behilflich sein, seine Sexualität auf sozial adäquate Weise auszuüben“
Der jahrelange Aufenthalt in der Psychiatrie hat Franz Einhell nicht gesünder, sondern immer nur kränker gemacht. „Ein Mensch, der so lange verwahrt wird, wird infantilisiert“, sagt Hanna Ziegert.
(…)
„Er hatte drei oder vier Phasen, wo er seinen Panis gezeigt hat. Es gab keine Steigerung, es blieb immer bei diesem einfachen Exhibitionismus. Das muss eine Gesellschaft doch aushalten.“ Die Alternative dazu, sagt Hanna Ziegert, hieße: „lebenslange Unterbringung“.
Danke übrigens an Werner, der mich auf das Thema aufmerksam machte.
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3 Antworten zu Beitrag: Franz Einhell hat niemand getötet.

  1. Pingback: Entlassung: Franz Xaver E. | Beamtendumm

  2. nic.schooldyk schreibt:

    Buch: „Massregelvollzug“ 5. Auflage Autor, Bernd Volckart, Richter

    Als Herr Bernd Volckart dieses Buch schrieb, war die Deutsch-Mark noch aktuell. Dreihundertsiebenundsiebzig Maerker kostete EIN TAG im Bezirkskrankenhaus. Das duerfte heutzutage die selbe Zahl sein – nur mit einem E-Zeichen davor. Mehr als 300 Gruende, den Mann auf Lebzeiten da drin zu lassen. Wuerde sein Bett ‚frei‘ werden, dann kommt da ja wieder einer rein
    Man muesste sich eine ganze Reihe von ’neuen‘ Psychosen ausdenken……..

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