Hungerstreik in Celle

In Celle sind die Sicherheitsverwahrten in einen Hungerstreik getreten, um bessere Haftbedingungen durchzusetzen. Dazu lese ich im Spiegel (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,778253,00.html), dass die Sicherheitsverwahrten 14 Stunden “Aufschluss” hätten. 14 Stunden Aufschluss am Tag für Inhaftierte die ja keine Strafgefangene sind, das finde ich ok. Schließlich steht doch im Strafvollzugsgesetz, dass die Haftbedingungen so weit wie möglich dem normalen Leben anzupassen sind.

Und wer würde seine Kinder oder seinen Hund regelmäßig länger als 8 Stunden am Tag einsperren?

Doch der Spiegel spricht von 14 Stunden “Aufschluss” in der Woche und meint, das wäre doch immerhin 8 Stunden die Woche mehr als dies die Strafgefangenen bekämen. Andere Häftlinge erhalten also 6 Stunden “Aufschluss”. Sind wir da bei den Legehennen nicht schon weiter?

Noch nicht einmal 1 Stunde “Aufschluss” am Tag für Strafgefangene ist nicht nur nicht den allgemeinen Lebensumständen angepasst, man fragt sich auch, wie so eine wirkliche Sozialisierung erfolgen soll. Im wirklichen Leben hat man jeden Tag mehr als nur 1 Stunde Kontakt mit Menschen, man muss sie also mehr als nur 1 Stunde pro Tag ertragen.

Sicherheitsverwahrte haben aber sicherlich jeden Rechtsanspruch nach Ablauf ihrer Haftstrafe mehr als 2 Stunden pro Tag Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Man sperrt diese Leute (teilweise sicherlich zu recht) weiterhin ein, weil dieses Personen angeblich weiterhin eine Gefahr für die Menschen sind. Wie will man diese Gefahr abbauen oder eine Gefährlichkeit/Ungefährlichkeit wirklich erkennen, wenn man diese Personen 22 Stunden am Tag von allen anderen Menschen trennt.

Als Vorbereitung auf eine spätere Entlassung kann dieser 22 Stunden Dauereinschluss sicherlich nicht dienen.

Übrigens verlangt das BVerfG   ein “freiheitsorientiertes und therapiegerichtetes” Gesamtkonzept, dass den Betroffenen eine “realistische Entlassungsperspektive” bietet. Ihr Leben in Verwahrung soll laut Urteil so weit wie möglich den allgemeinen Lebensverhältnissen angepasst werden. Familiäre und soziale Außenkontakte sollen den Karlsruher Richtern zufolge erlaubt sein.

22 Stunden in eingesperrt in einer Zelle dürfte dem kaum entsprechen.

Mehr zum Thema:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1400732/Celle%3A+H%C3%A4ftlinge+im+Hungerstreik#/beitrag/video/1400732/Celle-Haeftlinge-im-Hungerstreik 

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5 Antworten zu Hungerstreik in Celle

  1. Pingback: Vor einem Jahr: Hungerstreik in der JVA beendet! | Beamtendumm

  2. helmutkarsten schreibt:

    Genau! ALLES ist FRANKEN ! Heute ist Franken, FRANKEN > Morgen ist DEUTSCHLAND, FRANKEN
    und dann…………. DIE GANZE WELT IST FRANKEN !!!

    Überall wird fröhlich losgefreislert – aber nicht wenn der Bazi da helfen kann – egal wo in der Welt der bazi sich rumtreibt…………………..

  3. helmutkarsten schreibt:

    Und Wer hat’s erfunden?? NEIN, nicht die Schweizer. Die Franken !!!

  4. helmutkarsten schreibt:

    Darüber, dass eine Entlassung für manche dieser Häftlinge schon mal gar nicht vorgesehen ist, will ich mich nur bedingt einlassen. Weil es nämlich keine unbefristete Strafe geben kann oder darf.
    Allerdings darf es Gutachten geben. So psychologische. Solche wie bei mir. Solche Gutachten von psychologischen Blindvogerln aus der Uni-Erlangen zum Beispiel. Wenn man also weis, dass der Häftling bis zum Nimmerleinstag, mittels Putzfrau-Gutachten in Haft bleiben wird, wozu dann vorauseilend, entlassungsbezogene Haftbedingungen?

    Es war in Hof-JVA, wo ich halt auch als “Ami” identifiziert wurde. Da wurde ich auf die allzu Bösen amerikanischen Haft- bzw. Strafbedingungen, i. S. des “3-strikes-law” angesprochen. Hierzulande ist es doch auch nicht anders. Es ist noch hinterhältiger. Bei einer Strafe von ?? Jahren bekommt man die Führungsaufsichtsanhörung. Bei ?? Jahren ist die Sicherungsverwahrungsanhörung obligatorisch?
    Dann kommt eine forensisch-psychologische Frau Dr. Putzeimer………….. Hmmm.

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